Netflix,  Serien

Wählt weise

Bei all dem Überschuss an Möglichkeiten, müssen Filme und Serien heutzutage schon besondere Eigenschaften haben, um aus der Masse herauszustechen und den Konsumenten in Erinnerung zu bleiben. Die Netflix-Erfolgsserie Black Mirror probiert es nun mit der allerersten interaktiven Episode.

Interaktivität ist längst zum Markenzeichen in den verschiedenen Medienformen geworden. Videospiele gehen diesen Weg der Wechselbeziehung zwischen Spieler und Spiel schon lange. Der französische Spieleentwickler Quantic Dream (Heavy Rain, Detroit: Become Human etc.) zum Beispiel, ist bekannt für seine Werke, in denen die Entscheidungen der Spieler einen unmittelbaren Einfluss auf das weitere Spielgeschehen haben. Nicht zu Unrecht werden sie deshalb oft nicht als Videospiel, sondern als „interaktiver Film“ bezeichnet.

Im eigentlichen Film- und Serienuniversum ist dieser Gedanke des direkten Einflusses auf die Handlung dagegen schwerer umsetzbar. Das deutsche TV-Experiment Terror aus dem Jahre 2016 ließ die Zuschauer zumindest über das Ende entscheiden. Der Film Late Shift ging im selben Jahr einen Schritt weiter und ließ den Zuschauer direkt am Fernseher per Fernbedienung entscheiden, wie einzelne Handlungsstränge weitergeführt werden sollen. Dabei war er produktionstechnisch allerdings auf unterstem Niveau und auch das Gefühl, Entscheidungen wirklich getroffen zu haben, war mehr Schein als Sein.

Black Mirror probiert es nun mit dem nächsten Step. Hoher Produktionswert und ein breites Zielpublikum waren von Vornherein gegeben. Die Folge „Bandersnatch“ erschien am 28. Dezember auf der Streaming-Plattform. Durchschnittlich alle 90 Sekunden muss der Zuschauer per Fernbedienung eine Entscheidung treffen, der Aufbau der Geschichte wird dadurch maßgeblich beeinflusst. Die Story spielt im Jahre 1987 und handelt von dem jungen Programmierer Stefan (Fionn Whitehead), der sich mit einem eigenen Adventure-Spiel einen Namen in der Gamingbranche machen will. Als Grundlage dient ihm ein Fantansy-Roman des (fiktiven) Autors Jerome F. Davies. Doch bereits nach kurzer Zeit geschehen unvorhergesehen Dinge und der junge Programmierer beginnt an seinem Verstand zu zweifeln.

Sugar Puffs oder Frosties? Die Entscheidung, welche Cornflakes ihr nimmt, kann schon weitreichende Auswirkungen auf die Geschichte haben. © Netflix

Und Netflix ist es tatsächlich gelungen, eine atemberaubende und spannende Story auf die Beine zu stellen, die mit dem Zuschauer spielt und immer wieder auf Metaebenen heruntergebrochen wird, welche wunderbar durchdacht sind. So ist sich der große Streaming-Anbieter in einer Situation nicht zu schade, sich selbst in die Geschichte einzubauen und dem Zuschauer mehr und mehr das Gefühl zu geben, wirklich die Kontrolle über Stefan zu haben. Diese tolle Erzählweise macht diese Episode erstaunlich greifbar und faszinierend.

Mit Will Poulter (spielt den erfolgreichen Videospielproduzenten Colin) ist außerdem ein weiterer namhafter Schauspieler an Bord, der seine mysteriöse Rolle ausgezeichnet verkörpert. Insgesamt 5 Stunden Filmmaterial sind vorhanden, der „Wiederspielwert“ ist also definitiv vorhanden. Das früheste Ende kann nach rund 40 Minuten erreicht werden, das späteste nach knapp 90.

Alles in allem muss man sagen, dass „Bandersnatch“ ein Serienerlebnis ist, welches man selbst einmal ausprobiert haben muss. Klar ist aber auch, dass diese Folge keine ist, bei der man sich besinnlich zurücklehnen und berieseln lassen kann. Aber dies sollte man bei dem Brand Black Mirror sowieso nicht erwarten…

Von Florian Teichert

Lieblingsfilm: König der Löwen Lieblingsschauspieler: Jean Reno Lieblingsschauspielerin: Emma Watson <3

Ein Kommentar

  • Wortman

    Ich hab das wohl gesehen von diesen Bandersnatch und mich nur gewundert, warum es cda so eine Art Extrafolge gibt.
    Was ich hier so lese, da werde ich mir die Folge doch auch mal antun und mich überraschen lassen.

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