Features,  Nils Ecke

Macht den selben Film nochmal!

Jeder, und damit meine ich wirklich jeder, der sich in irgendeiner Art und Weise mit Filmen auseinandergesetzt hat, und sei es nur ab und zu mal das Nachmittags-Fernsehen eingeschaltet zu haben, wird früher oder später mal auf einen Disney-Film gestoßen sein.
Und nein, damit meine ich nicht Star Wars oder Marvel-Film 23, sondern einen dieser vor Magie sprühenden Zeichentrick- oder Animationsfilmen, die wahnsinnig viele Menschen ins Herz geschlossen haben.

Ob es nun die allererste Generation war, die sich aus Angst vor der gruseligen Hexe in Schneewittchen und die sieben Zwerge an Mamas Kleid festgehalten haben, viele Jahre später bei Mufasas Tot im König der Löwen die Augen schließen mussten, oder aber im heimischen Kinderzimmer im Elsa-Kostüm zu Let it go! ihren ersten Karaokeversuch gestartet haben – ein jeder wurde irgendwie von Disneys Magie angesteckt.

Dabei ist das Konzept dieser Filme eigentlich relativ einfach: Hauptfigur wird durch tragisches Ereignis aus dem gewohnten Umfeld gerissen, erkennt im Exil, dass man mit sich so leben soll wie man ist und nicht wie andere es verlangen, und im Finale wird dann die Heimat zurück erobert.
Dieses Grundgerüst des Geschichtenerzählens ist so alt, dass man es den alten Griechen zuordnen kann. Aber auch moderne Klassiker haben dieses Grundkonzept: Star Wars, Harry Potter, Der Herr der Ringe.

Disney war also nicht immer unbedingt wahnsinnig kreativ was das Geschichtenerzählen anging. Jedoch verstehen sie es bis heute wie kaum ein anderer, diese Geschichten in opulenten Bildern, gepaart mit unglaublich toller Musik zu untermalen. Zudem schafften sie es immer Innovationen in der Filmbranche zu perfektionieren: Mickey Mouse revolutionierte die 2D-Zeichentricktechnik, Der König der Löwen brachte dem Zeichentrickfilm die dritte Dimension und mit Pixar wurde sich ein Partner ins Boot geholt, der die CGI-Animation wie kein Zweiter beherrscht.

Der König der Löwen als CGI-Version startet 2019 in den Kinos

Entschuldigung, ist das ein Remake?

Um eins vorab zu sagen: Disney bringt nach wie vor großartige Kinderfilme raus. Allein auf die Schnelle fallen mir Coco, Zoomania, Frozen und Alles steht Kopf ein. Das sind alles ganz wundervolle Filme, die zum Teil wirklich extrem schwierige Themen anpacken und sie kinderfreundlich verpacken, gleichzeitig aber auch für den erwachsenen Kinogänger einen Unterhaltungsfaktor bieten.

Jedoch gibt es seit einiger Zeit auch einen  neuen Trend, mit dem sich Disney das goldene Mäuse-Näschen noch ein bisschen vergrößern lässt: Remakes. Remakes können großartig sein! Wenn man sich in der Filmgeschichte ein wenig umschaut findet man teilweise bahnbrechende Neuauflagen. Der zeitlose Klassiker Scarface von 1983 ist ein Remake eines gleichnamigen Films aus dem Jahr 1932. Der Oscar-Gewinner Departed hat die Grundhandlung komplett vom chinesischen Film Infernal Affairs übernommen. Ein noch aktuelleres und lustigeres Beispiel ist die Neuverfilmung von 21 Jump Street, der die gleichnamige TV-Serie aus den 80er Jahren persifliert.

Was diese drei Beispiele besonders macht: Sie nehmen sich das Original und verändern gewisse Dinge. Entweder wird der gesamte Grundton geändert (in 21 Jump Street wird aus Dramaserie Popcorn-Comedy), der Film wird dem aktuellen Geschehen angepasst (Scarface) oder der Schauplätze werden verändert und die Story um einige Elemente verkürzt oder erweitert.

Disneys Animations-Remakes ihrer Zeihentrickklassiker tun dies leider nur bedingt. Die Neuverfilmung des Dschungelbuchs aus 2016 war quasi eine 1:1-Nacherzählung des Originals, nur das hier die Figuren nicht mehr handgezeichnet waren, sondern aus dem Computer kamen. Da Regisseur Jon Favreau nun auch für Der König der Löwen verpflichtet wurde, können wir dort wohl auch nicht viel Neues als dem Film erwarten, den wir bereits kennen.

Das Dschungelbuch - Die bekannteste Szene kennt man schon seit 1967, was Disney aber nicht davon abhält das Gleiche nochmal zu zeigen.

Die Gamingbranche könnte hier für Klarheit sorgen

Ich bin ehrlich, auch ich bin vor 2 Jahren der Nostalgie verfallen und musste sofort ins Kino als die Wiederaufwertung meines liebsten Kinderfilms Die Schöne und das Biest lief. Ja, und es hat Spaß gemacht, das will ich gar nicht verhehlen. Allerdings gab es auch ein paar sinnvolle Erweiterungen des Originals, die unter anderem die Figur der Belle etwas aufgewertet haben. Ansonsten galt aber auch hier: Das Original als Pauspapier drüber legen und man hat das gleiche Produkt.

Vor wenigen Wochen ist das Remake eines der besten Horror-Videospiele auf den Markt gekommen: Resident Evil 2. Dabei gab es schon zig Neuauflagen dieses Titels. Was die Neuauflage dieses Jahr so besonders macht: Es ist ein waschechtes Remake, das den Namen auch verdient hat. Hier wurde nämlich das gesamte Spielkonzept überarbeitet, alles auf aktuelle Technik hochgeschraubt, neue Handlungsstränge eingebaut etc. etc.

Die Neuauflagen die zuvor für diesen Titel heraus kamen nennt man in der Gaming-Branche “Remaster”. Das bedeutet dass das Spiel, so wie es ist, einfach nur für eine neue Konsolengeneration portiert wird um es zum Beispiel an aktuelle Bildschirmstandards anzupassen und wieder spielbar zu machen.

Im Prinzip sind die Remakes, mit denen Disney uns die nächsten Jahre noch zuschütten wird nichts anderes. Schaut man sich nur den Trailer zum neuen König der Löwen an, sieht man ein und dieselben Dinge: Kamereinstellungen, Musik, Figuren. Das alles ist gleich geblieben und wurde nur an den aktuellen, technischen Standard angepasst.

Sorry, Herr Favreau, aber ich frage mich, wofür Sie Geld bekommen, wenn der Film im Prinzip nichts Neues zu bieten hat, sondern einfach, ähnlich wie die amerikanischen Varianten von Funny Games oder Honig im Kopf Bild für Bild so nachgedreht werden, wie es sie schon vor Jahren gab.

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Solange es funktioniert…

Nun, ich will niemandem den Spaß an den neuen Versionen alter Filme nehmen. Wenn ich mir allerdings die teilweise überschwänglichen Kommentare unter dem Trailer zu König der Löwen durchlese, muss ich doch zumindest kurz den Kopf schütteln. Es scheint eben so zu sein, dass die Leute so dermaßen auf diese Filme abfahren, dass sie davon Gänsehaut bekommen und am liebsten schon ein halbes Jahr vor Start ein Ticket kaufen würden.

Wenn man sich aber bei anderen Disney-Produktionen der aktuellen Zeit umschaut, ist das doch nicht ganz so verwunderlich. Nehmen wir die beiden Star Wars-Episoden Nummer 7 und 8. Während Episode 7: Das Erwachen der Macht im Prinzip ein Remake vom allerersten Krieg der Sterne ist und (in diesem Fall sogar sehr gut) ein paar neue Elemente und Figuren in die gleiche Geschichte einbaut, polarisiert Episode 8: Die letzten Jedi, weil er mit alten Star Wars-Regeln bricht und etwas völlig Neues wagt.

Episode 7 ist dabei – zumindest gefühlt – der beliebtere Teil, während sich Episode 8-Regisseur Rian Johnson sogar Morddrohungen ausgesetzt sah und sich seit der Veröffentlichung seines Films immer und immer wieder für seine kreativen Entscheidungen rechtfertigen muss.

Märchen schreibt die Zeit...

Für die neunte Star Wars-Episode hat sich Disney nun J. J. Abrams, den Regisseur des eher “klassischen” Das Erwachen der Macht zurück ins Bott geholt, um auch Episode 9 zu drehen und die erste neue Star Wars-Trilogie abzuschließen.

Währenddessen wurde aber auch Rian Johnson beauftragt eine komplett neue Star Wars-Reihe zu entwickeln. Solange Disney mit dieser Zweigleisigkeit weitermacht und beide Seiten – Retro-Fans und Liebhaber neuer Interpretationen – bedient, gibt es von meiner Seite nichts auszusetzen. Ich hoffe nur, dass man sich nicht zu sehr auf seinen Remasters ausruht und weiterhin moderne und vor allem neue Märchen schreibt. Denn dafür, gehen wir schließlich ins Kino.

Ja Tach auch! Ich bin der Nils und eigentlich mag ich Filme. In den letzten Jahren passiert aber in der Filmbranche verdammt viel Mist der mich nervt, deswegen rege ich mich unglaublich oft auch über Filme auf! Lebe in Seelenruhe auf dem Lande, da hat man auch genug Ruhe um sich ordentlich aufzuregen.

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