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Lloronas Fluch – oder Segen?

Mit Lloronas Fluch kommt der mittlerweile sechste Vertreter des sogenannten Conjuring-Universums in die Kinos. Aber taugt der Streifen was oder reiht er sich ein in die große Riege langweiliger Horrorfilme, die seit Jahren die Kinolandschaft überschwemmen?

Los Angeles 1973: Anna (Linda Cardellini) hat kein leichtes Leben: Die Witwe muss sich alleine um ihre zwei Kinder Chris (Roman Christou) und Samantha (Jaynee-Lynne Kinchen) kümmern und auch ihr Job als Sozialarbeiterin macht ihr schwer zu schaffen. In ihrem neuesten Fall geht es um die Mutter Patricia Alvarez (Patricia Velásquez), die ihre zwei Söhne seit Wochen in einem Schrank eingeschlossen hat. Die Mexikanerin erzählt Anna, dass ein böser Geist namens Llorona (Marisol Ramirez) es auf sie und ihre Kinder abgesehen hat und sie die beiden nur beschützen wollte.

Laut diesem Volksmärchen soll Llorona einst im 17. Jahrhundert in Mexiko gelebt haben und eine wunderschöne Frau gewesen sein. Sie heiratete einen reichen, gut aussehenden Mann und bekam zwei Kinder von ihm. Doch als er sie mit einer anderen Frau betrog, ertränkte sie auch Rache und Kummer ihre beiden Söhne im nahe gelegenen Fluss. Als sie realisierte, was für eine Abscheulichkeit sie angerichtet hatte, stürzte sie sich ebenfalls ins Wasser und ertrank. Seitdem ist sie als Geist auf der Suche nach Kindern, um auch diese zu töten.

Anna glaubt zunächst nicht an diese alte Legende. Doch als die beiden Söhne von Patricia ein paar Tage später tot aus dem Fluss gezogen werden und sie und ihre Kinder ständig eine weinende Frau in einem weißen Kleid in ihrem Haus sehen, stellen auch sie fest, dass Llorona vielleicht doch kein Märchen ist …

Anna (Linda Cardellini) glaub eigentlich nicht an Geister … – © Warner Bros.

Jede Menge Potential

Gute Horrorfilme sind in der heutigen Zeit leider selten geworden. Es geht mittlerweile viel zu sehr darum mit einem einfachen Rezept schnelles Geld zu machen. Und das heißt: ein entstellter Dämon, viele Jump-Scares und laute Musik. Es gibt zwar immer wieder Hoffnungsschimmer, wie zuletzt A Quiet Place oder Hereditary, die sich eher auf Spannung und eine schaurige Grundatmosphäre stützen als auf billige Schockeffekte und gruselige Monster. Aber sie bilden definitiv eine Ausnahme in dieser Welle von Horrorfilmen vom Fließband.

Auch die beiden Conjuring-Teile, die das gleichnamige Film-Universum begründeten, stechen mit kreativen Einfällen aus dieser riesigen, generischen Masse heraus. Leider sind die anderen Ableger wie die Annabelle-Reihe oder zuletzt The Nun ziemlich faule und deswegen vergessenswerte Streifen, die nur alte Themen abgrasen. Mit Lloronas Fluch wird uns nun der sechste Ableger dieses Universums präsentiert. Und trotz eines großen Potentials geht auch dieser Film ziemlich Baden …

Llorona (Marisol Ramirez) hat es auf Kinder abgesehen! – © Warner Bros

Und das ist mehr als schade, denn der Streifen hat jede Menge Potential, wovon man vor allem in der ersten Hälfte viel sehen kann. So gibt es in den ersten 45 Minuten viele gute Szenen, die die Spannung gekonnt aufbauen und den Geist Llorona mehr als bedrohlich wirken lassen. Denn hier wird noch viel mit Schatten gearbeitet, was dem ganzen eine besonders unheimlich Atmosphäre verleiht, da man Llorona immer nur schemenhaft im Dunkeln sieht. Dabei wird im Großen und Ganzen auf Jump-Scares und laute Musik verzichtet. So gibt es eine Szene in einem Hausflur mit flackernden Licht, bei dem einen das Blut in den Adern gefriert. Und auch die Momente in einer dunklen Gasse und einem Auto sind toll inszeniert.

Selbst die Schauspieler sind für einen Horrorfilm überdurchschnittlich gut. Hier überzeugen vor allem die beiden Kinder und Linda Cardellini. Aber auch Oscarpreiträger F. Murray Abraham als weiser Priester hat seine Momente, auch wenn diese recht kurz geraten. Allein Raymond Cruz als Geisterjäger bleibt etwas blass und eindimensional.

Schaurig durchschnittlich

Aber das war es dann eigentlich schon mit den positiven Aspekten. Ab der Hälfte säuft Lloronas Fluch ziemlich ab und verkommt zu einer wilden Jump-Scare-Party, die uninspirierter nicht sein könnte. So riecht man jeden der „Schockmomente“ schon Kilometer gegen den Wind, weil immer die gleiche Kameraeinstellung gewählt wird. Damit fällt auch der große Showdown im Haus der Familie sehr blutleer und langweilig aus. Manchmal fühlt es sich an, als wären das verschiedene Filme in einem, so groß ist der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Hälfte.

Chris (Roman Christou) und Samantha (Jaynee-Lynne Kinchen) sind nirgends sicher… – © Warner Bros.

Auch das Setting in den 1970er Jahren wirft einige Fragen auf. So hat man, dass Gefühl, dass diese Zeitperiode nur gewählt wurde, damit man einfacher eine Brücke zu den Conjuring-Filmen schlagen kann. Denn es gibt keinen Moment, in dem ein gewisser 70er Jahre-Flair aufkommt. So wurde auch hier einiges an Potential verspielt.

Zusammenfassend bleibt nur zu sagen, dass Lloronas Fluch schaurig durchschnittlich ist. Wir haben zwar gute Schauspieler, eine gruselige Grundgeschichte und einen recht starken Anfang, aber gegen Ende hin wird der Film immer schwacher, platter und langweiliger. Und das ist eigentlich das Todesurteil eines jeden Horrorfilms – eigentlich sogar eines jede Films. Somit ist Lloronas Fluch trotz seines anfänglichen Potentials ein weiterer Vertreter der Welle uninspirierter, fauler und generischer Horrorstreifen, die uns seit Jahren überschwemmt. Schade!

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