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Eine Ode an: Die Eberhofer-Krimis – Mehr Bayern geht nicht!

Seit 2013 löst Deutschlands beliebtester Dorfpolizist Franz Eberhofer in der niederbayerischen Provinz einen skurrilen Fall nach dem anderen. Und der Kult reißt nicht ab, denn am 1. August startete mit Leberkäsjunkie die sechste und damit neueste Verfilmung der erfolgreichen Romanreihe von Rita Falk. Also der perfekte Zeitpunkt, um den Preißn da draußen mal zu erklären, warum der Eberhofer einfach der Beste ist.

Uns Bayern wird bekanntermaßen so einiges vorgeworfen: Wir trinken nur Bier, bleiben gerne unter uns, sind recht konservativ, dauergrantig, verschlossen, arrogant und haben eine unendliche Abneigung gegenüber alles und jedem außerhalb Bayerns. Leider muss ich zugeben, dass einiges davon stimmt. Aber ist mir das peinlich? Absolut nicht. Denn wir Bayern sind – trotz unserer vielen Eigenheiten und Marotten – ein besonderes Völkchen. Und wenn das eine Filmreihe in jeglicher Form verinnerlicht hat, dann sind das die Eberhofer-Krimis. Denn die sind Bayern in seiner reinsten Form.

Aber um was geht es eigentlich? Begonnen hat alles mit dem 2010 erschienenen Winterkartoffelknödel, dem ersten Eberhofer-Roman von Rita Falk und dem Debüt der Figur des Franz Eberhofer. Das Buch wird zum Bestseller und er, der phlegmatische Dorfpolizist aus der Landshuter Provinz, wird zum neuen Superstar Deutschlands bzw. Bayerns. Bisher gibt es neun Nachfolger, die ähnlich, wenn nicht sogar noch erfolgreicher sind. Dementsprechend war eine Verfilmung der Reihe nur eine Frage der Zeit.

Der bayerische Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) findet sich öfter in skurrilen Situationen wieder. © Constantin Film

So kam es, wie es kommen musste: Mit Dampfnudelblues flimmerte 2013 nun der erste Eberhofer-Krimi über die deutschsprachigen Leinwände – und sowohl Kritiker als auch Zuschauer waren begeistert. Es folgten mit Winterkartoffelnködel (2014), Schweinskopf al dente (2016), Grießnockerlaffäre (2017) und Sauerkrautkoma (2018) gleich vier weitere Verfilmungen in kürzester Zeit, die nahtlos an den Erfolg anknüpften. Und am 1. August startete mit Leberkäsjunkie nun der neueste Teil der Serie im Kino.

Sind die Filme Weltklasse? Bestimmt nicht. Aber mal ehrlich: Hier geht es auch nicht um logische Plots, den richtigen Handlungsaufbau, Charakterentwicklungen oder sonstigen filmtheoretischen Schmarrn. Vielmehr geht es um die kleinen Momente; die bizarren Schlagabtausche zwischen Eberhofer und dem Dienststellenleiter Moratschek, wenn der sich seine Prise Alpenkoks (Schnupftabak) gönnt; die dilettantischen Flirt- bzw. Annäherungsversuche von Franz an Susi, bei denen er sein Maul einfach nicht aufkriegt; die passiv-aggressiven Gespräche zwischen Eberhofer und seinem Kumpel Birkenberger; die obligatorische Leberkässemmel vom Simmerl – man könnte diese Liste gefühlt unendlich weiterführen.

Birkenberger (Simon Schwarz), die Oma (Enzi Fuchs), Leopold (Gerhard Wittmann), Franz (Sebastian Bezzel) und der Papa (Esi Gulp). (v.l.)– © Constantin Film

Aber es gibt wohl keine bessere Momentaufnahme von Bayern und seinen Bewohnern als diese Filme. Um die Handlung der einzelnen Teile geht es dabei nicht. Die ist durch die Bank unlogisch und weit hergeholt. Der Eberhofer muss sich nämlich u.a. mit dem Tod eines SM-fanatischen Rektors, einem Dreifachmord, einem Serienkiller, einem toten Vorgesetzten und einer Leiche im Kofferraum seines Vaters auseinandersetzen. Dass so etwas in einem beschaulichen Kaff wie dem für die Reihe erfundenen Niederkaltenkirchen eher unwahrscheinlich ist, sollte jedem klar sein.

Und das ist genau der Witz: Die völlig überzogenen Handlungen und die skurrilen Momente, die aus diesen entstehen, sind gerade erst der Motor für die Figuren, ihre typisch bayerischen Eigenheiten und Spleens zu zeigen. Man betrachte dabei nur den Eberhofer: Eigentlich tappt er nur im Dunkeln, ist phlegmatisch und hat keine Ahnung, was gerade passiert – aber am Ende löst er den Fall irgendwie. So machen die Filme trotz ihrer meist fehlenden Logik und erzählerischen Schwächen unglaublichen Spaß und bilden gemeinsam eine Art Gesamtkunstwerk.

Echte bayerische Originale: Dorfwirt Wolfi (Max Schmidt), Heizungsbauer Flötzinger (Daniel Christensen), Provinpolizist Eberhofer (Sebastian Bezzel) und Metzger Simmerl (Stephan Zinner). (vl.) © Constantin Film

Aber was macht diese Filme so erfolgreich und beliebt? Ganz einfach: Die charmante und streckenweise überzogene Darstellung von Bayern – oder eher seinen Bewohnern. Denn die Figuren sind das Herzstück der Filme. Ohne sie wäre die Reihe nur halb so erfolgreich. Sie alle sind echte Originale, die man nur in Bayern findet und gefühlt in jedem Dorf antrifft.

In diesem Sinne muss man vor allem den Schauspielern Tribut zollen: Sei es nun Enzi Fuchs  als immerzu kochende Oma, Max Schmidt als der merkwürdige Dorfkneipenwirt Wolfi, Daniel Christensen als der leicht dümmliche Heizungsbauer Flötzinger, Ferdinand Hofer als Metzger Simmerl, Ensi Gulp als kiffender Vater, Kabarett-Legende Sigi Zimmerschied als der dauergrantige Dienststellenleiter Moratschek, Simon Schwarz als nerviger Privatdetektiv Birkenberger, Lisa Maria Potthoff als Dorfschönheit Susi und natürlich allen voran Sebastian Bezzel als Franz Eberhofer, das Abziehbild eines phlegmatischen Provinzpolizisten, der sich nur für sich, sein Bier und seine Leberkässemmel interessiert – vor diesen Leuten muss man einfach den Hut ziehen.

Zusammengefasst: Bayerischer geht’s nicht mehr! Egal ob skurrile Typen, ständiges Granteln, deftiges Essen, dumme Sprüche, leichte Arroganz, die Abneigung gegenüber München, sinnlose Besäufnisse in der Dorfkneipe, leicht ausgeprägten Alkoholismus, schwarzer Humor und die allgemeine Liebe zum Bier – es gibt wohl keine bessere Momentaufnahme von Bayern und seinen Bewohnern als diese Filme oder eine bessere Vorbereitung für unsere Preißnfreunde.

Ich sage ‚Merce‘ und freue mich auf mehr von Eberhofer, Birkenberger und Co. Oder wie man in Bayern sagt: Basst scho! Und mehr gibt es nicht zu sagen – außer: Pfiads eich, Servus und haba Dere.

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