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Criterion Corner #3: Harold and Maude

Harold and Maude – der Kultfilm-Klassiker von Hal Ashby aus dem Jahr 1971. Wir erleben zusammen mit Harold und Maude zugleich eine Romanze, eine Tragödie als auch eine Satire. Gefüllt mit Spaß, Trauer, aber auch herzerwärmender Lebensfreude, die sich ohne Weiteres auf uns überträgt. Kommen wir nun zu Criterion Corner #3: Harold and Maude

Harold ist ein vom Leben geplagter und gelangweilter Mensch und ist weit davon entfernt das Leben zu führen zu führen, das seine Mutter für ihn vorbestimmt hat. Viel mehr interessiert er sich für den Tod. Er ist nahezu besessen davon. Harold besucht fremde Beerdigungen, fährt einen Leichenwagen und hat bereits mehr als 15-mal seinen eigenen Suizid vorgetäuscht. Mal treibt er als Wasserleiche im Pool, schießt sich mit dem Revolver in den Kopf oder rammt sich ein Messer in den Unterleib. Seine Mutter ist jedes Mal völlig unbeeindruckt von seinen “Nahtoderfahrungen” und interessiert sich recht wenig für Harolds Vorlieben. Auf einer der fremden Beerdigungen trifft Harold Maude, eine 79-jährige Damen, die Harolds Vorliebe für Beerdigungen teilt. Schnell zieht Maude ihn mit ihren fröhlichen und sorgenfreien Lebenseinstellungen in ihren Bann. Sie zeigt ihm die Freuden der Kunst und Musik und bringt ihm sogar das Banjo spielen bei. Harold und Maude – eine Bande entsteht zwischen den beiden, die möglicherweise nicht lange anhält, denn Maudes 80. Geburtstag rückt immer näher.

Harold und Maude

MAUDE: I should like to change into a sunflower most of all. They are so tall and simple. What flower would you like to be?

HAROLD: I don’t know. One of these maybe?

MAUDE: Why do you say that?

HAROLD: Because they are all alike..

MAUDE: Oooh, but they are not. Look. See – some are smaller, some are fatter, some grow to the left, some to the right, some even have lost some petals – all kinds of observable differences. You see, Harold, I feel that much of the world’s sorrow comes from people who are this, and allow themselves to be treated as that…

Each person is different, never existed before and never to exist again. Just like this daisy – an individual…

Ein warmes Herz, das ist was mir Harold und Maude bringen. Harold, der Junge in frühen Jahren bereits besessen vom Tod. Dem gegenüber Maude, die 79-jährige Frau, die bereits so viel erlebt hat in ihrem Leben. Auch wenn wir nicht viel von ihr erfahren, ist das was wir wissen genug um ein Gefühl für ihr Leiden zu bekommen. Ganz nebenbei erhaschen wir einen Blick auf ihren Unterarm. Ein Tattoo deutet darauf hin, dass sie in einem Konzentrations-Lager war. Trotzdem taucht sie zu Beerdigungen mit einem quietschgelben Regenschirm auf. Selbst im Tod ist ihre Lebensfreude ungebrochen. Da wundert es nicht, dass Harold von ihr angesteckt wird und langsam aus sich herauskommt. Maude nimmt ihn bei der Hand und führt ihn frohen Herzens in ein neues Leben. (An dieser Stelle ein großes Lob an das Designteam für das phänomenale  Cover der Criterion Blu-Ray). Fantastisch gespielt von Ruth Gordon. Eine quirlige alte Dame, die gerne Autos stiehlt und voller Freude damit über die Straßen heizt, durch ihre Wohnung tanzt und ab und an mal Nacktmodell ist. Sozusagen der perfekte Partner für Harold. Mit Maude lernt er, aber auch wir, dass es vollkommen in Ordnung ist, anders zu sein als alle anderen. Man muss sich nicht der Gesellschaft

beugen, sondern sein Leben leben wie man möchte. Treffender hätte es Cat Steven nicht mit seinen Songs treffen können. 

“If you want to sing out, sing – And if you want to be free, be free – ‘Cause there’s a million things to be – You know that there are” – Cat Stevens 

Das schwarzhumorige Drama wird wunderbar durch den Soundtrack von Cat Stevens abgerundet. Mit leichten Folk-Rock Songs hebt sich die Stimmung immer wieder aufs Neue. Dabei legt sie auch eine unvergleichliche Basis an Freude, die ständig wieder im Film auftaucht und aufgegriffen wird. 

Mit Harold und Maude hat Hal Ashby uns eins der herzergreifendsten ungleichen Paare der Filmgeschichte geliefert. Ein Paar, das man auf ewig im Herzen trägt und über das man ebenso lange nachdenken muss. Wer außerdem danach nicht direkt nach Cat Stevens und dem Soundtrack sucht, ist nicht mehr zu helfen. Bei mir läuft “If you want to sing out” definitiv in nächster Zeit in Dauerschleife und das mit einem lachenden und zugleich weinenden Auge.

Regie: Har Ashby

Genre: Comedy/ Drama

Cast: Ruth Gordon, Bud Cort, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer.

Crew: Producer: Colin Higgins, Charles B. Mulvehill; Screenplay: Colin Higgins. Camera: John A. Alonzo. Editor: William A. Sawyer, Edward Warschilka. Music: Cat Stevens. Art Director: Michael Haller.

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Gude zusammen! Ich befeuert euch mit allem was mir in die Finger kommt, egal ob Arthouse, Blockbuster oder der neueste Nicolas Cage Trash vom Grabbeltisch. Es wird vor nichts Halt gemacht!

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