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Synonymes – Irgendwas in Paris…

Paris. Die Stadt der Liebe. Die Stadt der Künstler. Und die Stadt des klassischen Nouvelle Vague-Kinos mit all seiner Ästhetik. Nun auch die Stadt, in der der Film Synonymes spielt. Und dabei genau auf die aufgezählten Aspekte abzielt. Und das ist mit Sicherheit nicht für jeden was…

In Synonymes wird eine Geschichte erzählt, dessen Handlung eigentlich nicht wirklich zusammenzufassen ist. Irgendwie passiert zu viel dafür. Irgendwie aber auch zu wenig. Es geht in jedem Fall um Yoav (Tom Marcier). Er ist frisch aus dem israelischen Militärdienst entlassen worden und wendet seinem Heimatland nun den Rücken zu. Ein Neustart in Frankreich soll es sein. Deswegen packt er seinen kleinen Rucksack und landet schließlich in einer verlassenen Altbauwohnung mitten in Paris. Und weil mitten in der Nacht Räuber seinen Rucksack stehlen, steht er plötzlich ohne irgendwas da. Glücklicherweise nimmt ihn das Paar um Emile (Quentin Dolmaire) und Caroline (Louise Chevillotte) auf. Und so startet Yoavs kuriose Odyssee durch die französische Hauptstadt.

Raus aus der Touri-Falle

Von dieser sieht der Zuschauer übrigens kaum was. Das liegt auch daran, dass Yoav sich so schnell wie möglich in Paris einleben und anpassen möchte. Eine selbst auferlegte Regel von ihm lautet deshalb: Senke den Kopf, wenn Du an den Wahrzeichen der Stadt vorbei schlenderst. Du willst schließlich nicht so aussehen wie ein Tourist. Und so bekommt auch der Zuschauer kaum was von dem berühmten Pariser Flair mit.

Yoav (Tom Marcier) versinkt im Pariser Flair © Guy Ferrandis / SBS Films

Dafür bekommt man als Zuschauer aber einiges von Yoavs Geschlechtsteil mit. Denn Nakctheit spielt in Synonymes eine große Rolle. Das führt teilweise zu unangenehmen und auch drastischen Szenen, wird in Folge dessen aber nicht weiter kommentiert. Generell ist Synonymes gut zusammengefasst mit einer Aneinanderreihung von Skurrilitäten. Da gibt es eine Szene, in der sich ein von Yoav angeleiertes Bewerbungsgespräch für einen Freund, zu einem handfesten Ringkampf zwischen eben diesem Freund und dem Vorgesetzten entwickelt. Danach wird auf das Geschehene nicht mehr eingegangen.

Ausflüge in die Antike

Symbolik hier, Symbolik da. Synonymes ist ein ganz klarer Interpretationsfilm und will irgendwas über Heimat erzählen. Über Identität. Über Sprache. Und über Poesie. Welchen Wert hat das gesprochene Wort? Für jeden Normalsterblichen eine nie aufkommende Frage, für Yoav jedoch schon. Er läuft mit seinem Wörterbuch durch die Hauptstadt, jongliert mit Wörtern, vergleicht seine Gesprächspartner gerne mal mit Figuren aus Homers Epos Ilias. Und dann ist da eben noch Paris. Oder zumindest ein Abziehbild von dem, was man sich unter Paris so vorstellt. Klischees von Rollkragenpullover-tragenden, rauchenden Franzosen werden hier nur zu gerne erfüllt. Aber das soll auch so sein. Schließlich ist es genau das Frankreich, welches auch Yoav so in seinem Kopf hat.

Yoav (Tom Mercier) in der Badewanne © Guy Ferrandis / SBS Films

Schauspieler Tom Mercier ist übrigens ein echter Hingucker. Und nein, das liegt nicht an der Omnipräsenz seiner unteren Körperhälfte – sondern wirklich an seinem hervorragenden Schauspiel. Er spielt die Melancholie, die Vitalität, die Verzweiflung, die Emotionalität, die Verletzlichkeit aus einem Guss. Gerne würde man ihn in anderen Werken sehen. In Werken, in denen man als Zuschauer nicht ständig damit beschäftigt ist zu versuchen zu verstehen, was man da eigentlich gerade sieht.

Und dennoch zieht Synonymes einen irgendwie in seinen Bann. Das liegt auch an der wirklich starken Kameraarbeit, die sich nicht zu schade ist, auch mal für komplette optische Disharmonie zu sorgen. Aber auch hier kommt man zu dem Schluss: Das soll wohl so. Und es ist gut so. Und keiner weiß, warum.

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