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Schocktober #07: The Loved Ones

Der Abschlussball – die letzte große Feier bevor sich die Wege jahrelanger Schulkameraden trennen. Die letzte Möglichkeit, seinem Schwarm die Liebe zu gestehen und ihn vielleicht auf einen Tanz einzuladen. Insgesamt also mehr als harte Zeiten für jeden Teenie. Einige erinnern sich gerne an diese Zeit zurück, wohingegen andere Rambo-ähnliche Flashbacks genießen, sobald auch nur das Wort Schule in den Mund genommen wird. Wieso also nicht seinen eigenen Abschlussball organisieren? Ein schönes Kleid, Chicken Wings, Daddy ist da und das Date für den Abend wird kurzerhand entführt und an den Stuhl gefesselt. Ab geht’s zu Schocktober #07: The Loved Ones

Der Traum vom eigenen Abschlussball

Nachdem die schüchterne und unauffällige Lola (Robin McLeavy) von ihrer High-School-Liebe Brent (Xavier Samuel) eine Abfuhr erhält, werden härtere Mittel aufgefahren. Unter Drogen gesetzt und an einen Stuhl gefesselt, findet sich Brent noch am selben Abend auf Lolas persönlichen Abschlussball wieder. Erster Tagesordnungspunkt: Nette Gefälligkeit des Dates überstehen und sich mit dem Vater gutstellen. Das bedeutet so viel, wie sich eine lähmende Spritze in den Hals jagen lassen und von Papa Psycho (John Brumpton) munter ein Messer in den Fuß hämmern lassen. Tanzen muss also ausfallen, zumindest kann Brent nicht Führen. Das kommt Lola aber gerade recht, denn aus dem unscheinbaren Mädchen wird schnell ein manisches Teenie-Girl, welches ihren Willen um jeden Preis durchsetzen muss. Wie es sich für den Abschlussball gehört, wird ordentlich aufgetragen. Brent natürlich im feinen Anzug, wenn auch das Messer im Fuß das Traumbild etwas stört. Lola hingegen in einem quietschpinken Cocktailkleid und Papierkrone. Zusammen liefern sie ein sehr Lynch-ähnliches Bild ab – ach wie schön die beiden doch anzusehen sind, getaucht im Licht einer Diskokugel, die über dem Esstisch ragt und überschattet von eifersüchtigen Blicken des Vaters.

Ein liebevolles Dinner zum Abschlussball in "The Loved Ones" © ARP Sélection

Die Krone für die Lady in pink

Was manche als Papakind beschrieben würden, erscheint in The Loved Ones viel mehr als eine Papa-Tochter-Beziehung. Die lüsternen Blicke von Lolas Daddy während sie sich in ihr Kleid wirft sind kaum auszuhalten und doch genießt Lola sie, als sei das alles schon längst Routine.

Eine absurde Welt erwartet dich in The Loved Ones. Jedoch nicht allzu abwegig von unserer Realität und das ist großes Kino. Unbehagen durch das erzeugen, was wir kennen und was uns vertraut ist. Das dann soweit ins Absurde treiben, dass wir voller Spannung und in gewisser Weise auch Begeisterung an der Leinwand kleben. Das ist Horror, der nahbar und vor allem mitreißend ist. Zu verdanken haben wir dies vor allem Sean Byrne, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat. Auf dem Papier klingt die Geschichte relativ matt, doch was hier in Sachen Artdirection, Setting und den Schauspielern rausgeholt wird, kann man nur in den Himmel loben. Xavier Samuel, der den Großteil des Films stumm ist, kann durch seine Blicke jeden einzelnen Schmerzensschrei so viel Wut und Gefühl beibringen, dass wir uns selbst im Sessel winden. Wenn uns dann noch Robin McLeavy gegenübersteht, bleibt uns nichts anderes übrig als bewusstlos umzukippen. Vollkommen psychotisch und geistesgestört erzeugt ihre Bloße Anwesenheit ein Unwohlsein in uns. Was Brent nämlich bevorsteht, weiß einzig und allein Lola und selbst dabei bin ich persönlich mir nicht ganz sicher…

Eins sei jedoch gesagt: Obwohl ich The Loved Ones doch als sehrhart und ruppig beschrieben habe, hat Byrne es geschafft auch komödiantische Aspekte einzubauen. Nicht ganz Slapstick, aber er hat immer einen kleinen Kniff parat um die Situation kurz zu lockern, um dann mit erschreckender Wucht wieder zuzuschlagen.  

Ein kleiner australischer Horrorfilm, der zugleich noch ein Debüt ist, überrascht mich nicht nur durch eine interessante Umsetzung, sondern vor allem durch glaubhafte und demnach umso erschreckendere Charaktere. Du merkst ich habe The Loved Ones ins Herz geschlossen und das solltest du auch. Am besten jetzt für einen schmalen Euro bei Prime leihen und sich gemütlich in den Schocktober treiben lassen.

Sean Byrne

Horror

Xavier Samuel, Robin McLeavy, Victoria Thaine, Jessica McNamee, Richard Wilson, John Brumpton, Andrew S. Gilbert, Suzi Dougherty, Victoria Eagger, Anne Scott-Pendleburry, Fred Whitlock, Stephen Walden, Eden Porter

Producers: Michael Boughen, Mark Lazarus. Writer: Sean Byrne. Camera: Simon Chapman. Visual Effects: Nicholas Tripodi

Gude zusammen! Ich befeuert euch mit allem was mir in die Finger kommt, egal ob Arthouse, Blockbuster oder der neueste Nicolas Cage Trash vom Grabbeltisch. Es wird vor nichts Halt gemacht!

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