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Endlich normale Superhelden

Um ganz ehrlich zu sein, es fällt mir nicht leicht, die Netflix-Serie The Umbrella Academy zu bewerten. Ganz schön wild, was da so abgeht! Aber eins nach dem anderen: Vor Kurzem erst habe ich mir die DC-Serie Titans angeschaut und war doch recht positiv überrascht, wie gut Charaktere aus dem Batman-Universum ohne eben jenen funktionieren können.

Innerhalb kürzester Zeit nun also direkt die zweite Serie die sich mit den Helden auseinandersetzt, die wir als Kind so gerne geworden wären. The Umbrella Academy hat dabei einen ähnlichen Ansatz wie die Marvel-Konkurrenz: schön düster, akzentuierter Humor und ziemlich kaputte Charaktere.

So ist auch die Eröffnungssequenz nicht unbedingt von Harmonie geprägt: Weltweit bringen 43 Frauen wie aus dem Nichts ein Kind zur Welt., ohne dass sie vorher eine 9-monatige Tortur der Schwangerschaft durchleben mussten. Ein reicher und mysteriöser Mann namens Reginald Hargreeves ist so fasziniert von diesem Phänomen, dass er sieben dieser Kinder adoptiert und zu seiner persönlichen Superhelden-Crew erzieht.

Reginald Hargreeves gespielt von Colm Feore © Netflix

 

Zwischen X-Men und Watchmen

Hargreeves ist also sozusagen die etwas düstere Variante von Charles Xavier, steht dem aber in Sachen Intelligenz und Ideenreichtum in kaum etwas nach. Welche seltsamen Experimente er in seinem gigantischen Anwesen so betreibt, wird nicht hundertprozentig geklärt, ist aber für die Story auch nur teilweise erheblich.

So sticht die heimliche Hauptfigur Nummer Fünf ein wenig in den Vordergrund: Nachwuchsschauspieler Aidan Gallagher spielt einen jungen Mann, dem es möglich ist sowohl durch Raum, als auch Zeit zu reisen. In einem Trotzanflug befindet er sich plötzlich in der nahen Zukunft und stellt fest, dass die Erde wohl bald das Zeitliche segnen wird. Damit ist die Haupt-Quest der ersten Staffel auch schon besiegelt: Es gilt – wie so oft bei Superhelden – die Welt vor dem sicheren Untergang zu retten. Wobei hier erst einmal die Ursache für diesen gefunden werden muss.

Ellen Pages Charakter Vanya ist die einzige der sieben “Geschwister” ohne Superkraft © Netflix

Während Superhelden-Serien wie Titans oder Jessica Jones oftmals zwar toll inszenierte Actionsequenzen besitzen, ist die Szenerie von Dialogen und wichtigen Story-Elementen leider oftmals gefühlt nur Füllmaterial, dass eben auch mit rein muss. Spannenderweise ist die Inszenierung von The Umbrella Academy eine wahnsinnig Gute! Hier gibt es die gute alte Tarantino-Kamera aus dem Kofferraum, tolle Planfahrten durch Hargreeves’ Anwesen, Schießereien in einer Boutique die von Queen’s Don’t stop Me now unerlegt werden und vieles mehr.

Insofern könnte man fast behaupten, dass The Umbrella Academy das umgesetzt hat, was Zack Snyder mit Justice League hätte machen können: ein Superhelden-Mashup mit dreckiger Atmosphäre, guter Story und schön inszenierten Bildern. Was von den drei Dingen ist Snyder bzw. Whedon mit ihrer Gerechtigkeits-Liga gelungen? Hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens darüber…

Viele Geschwister mit vielen Problemen © Netflix

Macht Spaß, bitte mehr davon!

Auch wenn The Umbrella Academy eine gewisse Einstiegszeit benötigt, macht die Serie Spaß und das liegt vor allem an der guten Inszenierung, der tollen Musik und nicht zuletzt den interessanten Charakteren. Jedes der sieben Geschwister hat über die Jahre mit seinen Problemen zu kämpfen: Der eine ist drogenabhängig, die andere hat ihr Kind bei einem Ehestreit verloren, Luther mutiert zu einem Gorilla und Ellen Page… naja, die hat einfach ein Problem damit, dass sie einfach nur normal ist.

Apropos Ellen Page: Es ist schon ziemlich mutig die vermeintlich größte Schauspielerin aus dem Cast mit der langweiligsten Rolle zu besetzen. Allein das zeigt, dass die Macher der Serie versuchen neuen Wind ins Genre zu bringen und mal einen etwas anderen Ansatz zu verfolgen.

Von mir gibt es daher für 10 Folgen á 50 Minuten beiden Daumen nach oben und die Bitte nach einer zweiten Staffel!

The Umbrella Academy

Produktionsland: USA
Folgenanzahl: 10 (jeweils 45-60 Minuten)
Verfügbar über: Netflix

Ja Tach auch! Ich bin der Nils und eigentlich mag ich Filme. In den letzten Jahren passiert aber in der Filmbranche verdammt viel Mist der mich nervt, deswegen rege ich mich unglaublich oft auch über Filme auf! Lebe in Seelenruhe auf dem Lande, da hat man auch genug Ruhe um sich ordentlich aufzuregen.

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