Schocktober #12: The Devil’s Candy

Mit The Loved Ones hat Regisseur Sean Byrne bereits 2009 bewiesen, dass er ein gutes Fingerspitzengefühl für das Horrorgenre besitzt – völlig zurecht fand der Film auch im diesjährigen Schocktober seinen Platz bei uns! Und auch sein zweiter Langfilm The Devil’s Candy hat es jetzt hierhin geschafft. Ein Blick in die Seele des Teufels…

Während The Loved Ones vor allem die Grundpfeiler des Horrorgenres mit genauen Beobachtungen und der richtigen Atmosphärendichte zurechtschleift, geht es in Byrnes zweitem Langspielfilm dann doch etwas brachialer zu. Wir tauchen ab in die Welt des Metals – begleitet vom harten Soundtrack der Metal-Koryphäen Slayer, Sunn O))) oder auch Ghost. Diabolus in musica! Diese Aussage trifft kaum passender als in The Devil’s Candy zu…

Blut oder Farbe?

Jesse Hellman (Ethan Embry) ist großer Metalfan und hat diese Leidenschaft auch schon auf seine jugendliche Tocher Zooey (Kiara Glasco) übertragen. Zusammen mit Tochter und Ehefrau Astrid (Shiri Appleby) zieht das Trio mitten aufs idyllische Land. Hier erhofft sich der Berufs-Maler Jesse neue Inspirationen. Eines Tages steht plötzlich der geistig verwirrte Ray Smilie (Pruitt Taylor Vince), Sohn der Vorbesitzer, vor der Tür und redet wirres Zeug. Als dann auch noch aus dem Nichts diabolische Motive in den Bildern von Jesse auftauchen, nehmen die dämonischen Dinge plötzlich seinen Lauf…

The Devil’s Candy haut ordentlich auf den Putz! Nicht nur die Musik versorgt den Zuschauer mit einer Dröhnung par excellence, auch die Bilder brennen sich tief in das Gedächtnis ein. Wenn Jesse in seinem improvisierten Atelier der heimischen Garage seine Farbe exzessiv anmischt und man parallel dazu sieht, wie der verwirrte Kindermörder Ray das Blut seiner Opfer per Mob in den Abfluss wischt, ist das eine perfekte Bildsymbiose. Blut oder Farbe? Durch schnelle Schnitte nicht immer ersichtlich.

Ray (Pruitt Taylor Vince)und sein roter Trainingsanzug © Splendid Film

Auch die surrealen Traum- und Fantasiesequenzen, die Jesse plötzlich überkommen, sind präzise in Szene gesetzt und drücken auf den Schädel. Generell arbeitet der Film mit einer ausgezeichneten Bildsprache und verzichtet dabei auf lange, einschläfernde Dialoge. Dazu passt auch der Antagonist Ray, der ebenfalls wenig bis gar nicht redet. Als Bösewicht mit rotem Trainingsanzug ist er auf den ersten Blick eine Mischung aus knuddeligem Teddybären und eiskalten Killer. Wobei der Knuddelfaktor schnell wieder verfliegt, wenn man seine Taten zu Gesicht bekommt.

(Fast) konsequent

Als er es dann auch auf die liebenswerte Hellman-Familie und Tochter Zooey abgesehen hat, gerät die Erzählung gegen Filmmitte so ein bisschen ins Wanken. Aber gut: Mit teuflischer Besessenheit ist das – manchmal doch sehr dumme – Verhalten einiger Akteure vielleicht erklärbar. Kann man drüber wegsehen.

Im finalen Abschnitt bekommt man dann noch im wahrsten Sinne Effekte aus der Hölle präsentiert. Feuer hat selten so unecht ausgesehen. Doch auch darüber wird man letztlich hinweg sehen. In seiner Konsequenz hat The Devil’s Candy im Abgang einige Türen zumindest halb-geöffnet, auch wenn am Ende dann doch wieder zurückgerudert wird. Was bleibt ist ein Blick in die schwarze Seele des Menschen – inklusive Teufelsstimmen und Metallica-Postern.


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