Scary Stories to Tell in the Dark – Zum Leben erweckte Horrorgeschichten

Ein aufstrebender Jungregisseur aus Norwegen, der zusammen mit Guillermo del Toro einen Horror-Anthologie-Film produziert – allzu viel sollte da doch nicht schiefgehen, oder? Bernd hat sich für euch André Øvredals neuestes Werk Scary Stories to Tell in the Dark angesehen…

Beautiful Things to See in the Dark

Basierend auf den gleichnamigen Geschichtensammlungen von Alvin Schwartz ist die Handlung des Films schnell erzählt: Eine Gruppe von Außenseitern um die Protagonistin Stella (Zoe Margaret Colletti) finden an Halloween ein altes Buch in einem verlassenen Haus. Schon bald bemerken sie, dass das Buch ein Eigenleben führt und seine eigenen Geschichten schreibt – mit verheerenden Ausgängen für die Gruppe, die sich immer weiter dezimiert…

Was klingt wie eine Mischung aus Gänsehaut und Final Destination, ist eine sehr schöne Aneinanderreihung von klassischen Horror-Setpieces, schaurigen Flüchen und angsteinflößenden Kreaturen. Insbesondere die Inszenierung dieser Versatzstücke kann man sehr positiv hervorheben. So bleibt del Toros Einfluss bei der Gestaltung der Umgebungen und insbesondere der Monster nicht verborgen. Es wird sich ausreichend Zeit genommen, die einzelnen Gruselszenen ausreichend zu etablieren und schlussendlich durch lange Anspannung auch zu zelebrieren.

Trotz Blutarmut und einem PG 13-Rating in den USA schafft es Øvredal durchaus verstörende Szenen mit adäquaten Horrorgehalt zu kreieren und das muss man durchaus hoch anrechnen. Die Anzahl an Jump-Scares hielten sich außerdem in Grenzen oder sind mir zumindest nicht negativ aufgefallen. Hierzulande muss sich der Film leider mit einer FSK 16-Freigabe anfreunden. Schade, denn das wäre ein Streifen, den man mit 14 bei seinem ersten Date gucken kann. Angsteinflößend genug, um geschickt den Arm um den Partner zu legen, aber nicht so gruselig, um verstört das Kino zu verlassen, ohne Aussicht auf mehr.

Was gibt es Gruseligeres als eine hässliche Vogelscheuche? © Metropolitan FilmExport

Mehr hätte man sich auch bei der Rahmenhandlung um die heimgesuchte Gruppe wünschen dürfen. Die Figuren bleiben allesamt blass und auch Dean Norris verschenkt in der Rolle von Stellas Vater bedingt durch das Drehbuch viel Potential. Insbesondere im Hinblick auf die Geschichten, die Repräsentationen der Ängste der Figuren darstellen sollen, wirkt die dünne Charakterzeichnung doppelt schade. Ein bisschen wirkt es dadurch tatsächlich wie eine bloße Aneinanderreihung von einzelnen Grusel-Sequenzen. Warum man hier durch die Geschichte um die Gruppe unbedingt einen roten Faden spinnen muss, erschließt sich nicht immer ganz. Wohl auch, um ein wenig im Fahrwasser von Es und Stranger Things zu schwimmen – mit durchwachsenem Erfolg.

Ein tatsächlicher Episodenfilm, in der die agierenden Figuren und neuen Situationen im gleichen Maße wie die Monster etabliert werden, hätte mir persönlich also besser gefallen, ließe sich aber wohl nicht so gut vermarkten.

Sowohl optisch als auch handlungsbedingt bietet die Handlung abseits der Gruselszenen wenig Neues und bleibt damit sehr vorhersehbar. Typische High School-Bullies in Collegejacke und faule Kleinstadt-Cops sind nicht sonderlich subversiv. Einige grobschlächtige und plumpe Dialogzeilen muss man ebenso verzeihen können, aber das sollten Grusel-Fans gewohnt sein.

Ein Spaziergang durch ein Maisfeld – in Horrorfilmen immer eine gute Idee. © Metropolitan FilmExport

More Scary Stories 2 Tell in the Dark

Im Hinblick auf die – das sei noch einmal erwähnt – wirklich netten Gruselszenen bleibt das aber insgesamt zu verschmerzen. Was aber eher nicht zu verschmerzen ist, das ist das völlig unbefriedigende und überhastete Ende, nur um noch während des Filmes ein Sequel aufzubauen.

Denn die Geschichte ist natürlich nicht zu Ende erzählt, eigentlich geht es jetzt ja erst so richtig los. Schade, denn Zeit wäre bei einer Laufzeit von 107 Minuten durchaus noch da gewesen und so scheint der rote Faden, der die einzelnen Geschichten zusammenführt, noch beliebiger und austauschbarer.

Viele Parallelen und Anspielungen auf den Vietnamkrieg und die Wahl von Nixon zeigen dabei dennoch das Potential des Drehbuchs und illustrieren schön das Motiv des Films. Öffentliche Fehlinformationen und politische Manöver verselbstständigen sich wie die Geschichtensammlung aus dem Film und werden schlussendlich zu Dingen, die außerhalb der persönlichen Kontrollen stehen, aber trotzdem reelle Gefahren für das eigene Leben darstellen. Ähnlich der hier porträtierten Teenager verschwanden auch damals viele junge Menschen aus den amerikanischen Kleinstädten – und wurden nie wieder gesehen.

Bock auf Zombies?  Na dann ist Zombieland – Doppelt hät besser wie für Dich gemacht. Der Nachfolger von Kultfilm Zombieland haut mal wieder so richtig auf den Putz. Und ist natürlich wieder voll mit Überlebensregeln für die Zombieapokalypse.

Unsere ausführliche Kritik findest Du hier…


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