Sorry We Missed You – Ungerecht und zermürbend

Regisseur Ken Loach ist vor allem für seine filmische Aufarbeitung von Themen wie Sozialer Ungerechtheit und Missständen in der Gesellschaft bekannt. Auch sein neuester Film Sorry We Missed You passt da ganz hervorragend in diese Rubrik. Die Aussichtslosigkeit, die das Wirtschaftssystem hervor ruft, fällt hier mit all seiner Wucht auf eine englische Normalfamilie hinab.

Ricky (Kris Hitchen) verliert erst sein Haus, dann seinen Job. Dennoch muss er natürlich seine Familie über Wasser halten und wittert in der Selbständigkeit als Paketbote seine Chance. Doch auch in dieser Chance liegen viele Probleme, die es zuerst zu beältigen gilt: Rickys Frau Abbie muss ihr Auto, auf welches sie eigentlich selber angewiesen ist, verkaufen, damit Ricky sich einen Transporter zulegen kann. Außerdem sitzt ihm sein Boss Maloney (Ross Brewster, einem Bär sehr ähnlich) ständig im Nacken und duldet keinerlei Unzuverlsäsigkeiten. Freie Tage kann Ricky auch vergessen.

Kaum trautes Familienglück

Und so sehen wir ein zermürbendes Drama und schauen Ricky dabei zu, wie er 14 Stunden am Tag arbeitet – und es am Ende trotzdem hinten und vorne nicht reicht. Auch Rickys Frau Abbie hat mit ihrem Job als Altenpflegerin wirklich kein einfaches Los erwischt und hat ebenfalls nur wenig Zeit für trautes Familienglück. Und dann ist da noch der pubertäre Teenie-Sohn Seb sowie die jüngere Tochter Liza Jane. Auch sie haben ihre ganz eigenen Probleme und Sorgen. Trotz all dieser Komplikationen, hält die Familie in den Momenten wo es wirklich drauf ankommt, zusammen. Gerade diese Szenen sind wirklich intensiv und rührend.

Maloney (Ross Brewster) ist ein Chef, wie ihn sich wohl keiner wünscht. © Joss Barratt

Der Regisseur und sein Drehbuchautor Paul Laverty zeigen immer, worum hier so aufopferungsvoll gekämpft wird. Um den Fortbestand einer eigentlich intakten Familie, in der die Tochter ihrem Vater etwa blitzschnell beim Ausliefern hilft. Was Maloney allerdings prompt verbietet. Als Ricky dann auch noch brutal verprügelt wird, sein teurer Scanner bei dem Überfall zu Bruch geht und er mit dem Inhalt seiner eigenen Pinkelflasche übergossen wird, wird der gute Mensch von Newcastle endgültig zum modernen Hiob. Trotz aller Tapferkeit scheint es kein Ausweg aus der Misere zu geben. Die Kapitalismus-Walze nimmt keine Rücksicht auf die Willkür des Lebens.

Sorry We Missed You trifft die richtigen Töne

Loach schafft es wieder einmal, mit einer Riege an durchgehend unbekannten Schauspielern, ein wirklich impsoantes, bittersüßes und mitreißendes Sozialdrama auf die Beine zu stellen. Dabei nimmt er – und das ist auch gut so – keine Rücksicht auf ein Happy-Ending-geschultes Publikum, sondern bleibt in seiner Konsequenz so hart und eben ungerecht, wie das Leben gerne nunmal spielt.

Der 83-Jährige könnte schon längst gemütlich in seinem Schaukelstuhl vor sich hin wippen – dennoch macht er noch Filme. Und diese Filme haben eine Tragweite, wie man sie gerne öfter in den Kinos sehen will. Gerade der natürliche, realistische und unpointierte Weg, bringt das Publikum mit Sorry We Missed You hoffentlich zum Nachdenken.

Judy Garland wird den meisten Kino-Fans vor allem durch ihre Rollen in Der Zauberer von Oz und Ein neuer Stern am Himmel bekannt sein.

Im Film Judy geht es nun um das kurvenreiche Leben der Schauspielerin und Sängerin. Bernd hat ihn gesehen, seine ausführliche Kritik findet ihr hier.


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