Birds Of Prey – Harley, da war mehr drin!

Welche Freude hatten wir mit Joaquin Phoenix und seiner Joker-Figur im vergangenen Winter? Klar, der Film war nicht nur perfekt – dennoch war er mal wieder erfrischend anders und sorgte als ein als Arthouse-verkleideter Mainstream-Film auch für einen mehr als ordentlichen Zulauf an den Kinokassen. Nun hätte man vom neuen Harley Quinn-Film natürlich das Gleiche erhoffen können, doch spätestens nach dem ersten Trailer war eigentlich schon klar: Birds Of Prey ist dann leider doch wieder näher am verhunzten Suicide Squad dran. Doch ist er wirklich auf gleichem Level anzusehen?

Um es vorweg zu nehmen: Nein! Zwar ist Birds Of Prey: The Emancipation Of Harley Quinn – wie er vollständig heißt – keine echte Offenbarung. Aber vom Prädikat “schlechter Film” ist er dann doch auch weit entfernt. Das liegt in erster Instanz einmal an der Geschichte, die da erzählt wird. Keine Rettung der Welt, keine intergalaktischen Kämpfe auf fremden Planeten mit Super-Hyper-Laserkanonen, (fast) keine Superkräfte – die Geschichte spielt in einem eigenen kleinen Kosmos und letztlich geht es ganz banalerweise einfach mal nur sattgrünes Bargeld. Um Asche. Um Moneten. So erinnert Birds Of Prey auch mehr an einen Heist-Movie, als an einen Streifen aus dem Superhelden-Universum.

Graue Zuckerwatte

Harley Quinn (Margot Robbie) hat sich gerade frisch von ihrem Freund, dem Joker (in „Suicide Squad“ gespielt von Jared Leto), getrennt und sucht in Gotham nun nach neuen Aufgaben. Doch schnell macht die Nachricht der Trennung der beiden Bösewichte die Runde und Harley wird plötzlich zur Gejagten a la John Wick. In der Vergangenheit hat sie schließlich viel Unheil angestellt und der mächtige Joker steht ihr nicht mehr beiseite. Eines Tages landet Harley in den Fängen von Black Mask (Ewan McGregor). Dieser will eigentlich auch Harleys Tod, doch was er noch viel mehr will ist ein mächtiger Diamant, welcher ihm von der Herumtreiberin Cassandra Cain (Ella Jay Basco) gestohlen wurde. Harley soll ihn also finden – ahnt dabei aber noch nicht, dass auch weitere Frauen sowohl hinter dem Diamanten, Cassandra und Black Mask hinterher sind.

Neben Margot Robbie überzeugt auch Ewan McGregor als Bösewicht Black Mask. Vor allem die Szenen zwischen den beiden sind wirklich toll. Insgesamt fährt Birds Of Prey – wie nicht anders zu erwarten – die Humorschiene. Deutlich lustiger als Joker präsentiert sich der knallbunte Zuckerwatten-Spaß. Wobei! So richtig bunt ist es dann eben doch nicht. Also wenn man Harley Quinn erwartet, erwartet man ein neonfarbengetränktes Candy-Konfetti-Fest. Unter diesem Aspekt ist Birds Of Prey dann doch relativ graun und öde. Hier hätte man gerne noch deutlicher auf die Farbtuben drücken dürfen.

Black Mask (Ewan McGregor) macht Harley Quinn (Margot Robbie) das Leben schwer. © Warner Bros. Entertainment

Deutlich weniger hätte man dagegen bei der Musik investieren müssen. Gefühlt alle drei Minuten ertönt irgendein Popsong und untermalt die Szenen im Film ziemlich nervig. Das geht dem Zuschauer bereits nach wenigen Minuten derbe auf den Strich. Ebenfalls nervig: Die an sich wirklich cool inszenierten Kämpfe, werden immer wieder von ellenlangen und unnötigen Zeitlupen-Einlagen versucht aufzuwerten. Doch genau das Gegenteil geschieht dadurch. Man wird aus den recht ansehnlichen Choreographien gerissen und zudem mit schnellen und viel zu vielen Schnitten auf sein Epileptiker-Level überprüft.

Profillose Vögelchen

Die namensgebenden Birds Of Prey spielen übrigens erst im Schlussakt eine Rolle. Nämlich dann, wenn die Frauen alle zusammen kommen und – jeder mit eigenem Motiv – gemeinsam gegen das Böse kämpfen müssen. Leider sind die Damen aber allesamt nicht ansatzweise so interessant wie Harley. Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) verkörpert die Rolle als toughe Cop-Lady mit Alkoholproblem leider nicht wirklich glaubwürdig. Killerin Helena Bertinelli alias Huntress (Mary Elizabeth Winstead) macht mit ihrer Armbrust den bösen Jungs nicht wirklich Angst und Nachtclubsängerin Dinah Lance alias Black Canary (Jurnee Smollett-Bell) wirkt irgendwie profillos. Als sie dann letztlich für die erste echte Superkraft des Films verantwortlich ist, weiß man nicht, ob man einfach laut loslachen soll.

Birds Of Prey hat am Ende leider doch einige Schwächen, die dem runden Schauerlebnis dann doch noch einige Ecken und Kanten verleiht. Von einigem zu viel, von einigem zu wenig. Schade, bei richtiger Prioritätensetzung und mehr Mut zur Härte (der Film ist vergleichsweise brav) hätte man hier wirklich einen würdigen Harley Quinn-Film auf die Reise schicken können.


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