Quo vadis, Schweinebacke?

Wie plakativ wäre es, einen Artikel über Bruce Willis mit seinem vielleicht bekanntesten Zitat zu beginnen? Vermutlich sehr, wir machen es trotzdem: „Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!“ Generell ist das Plakative und das Erwartbare ein wichtiger Punkt, wenn es darum geht, sich der Film-Vita des gebürtigen Rheinland-Pfälzer mal etwas genauer zu widmen. Angefangen hat alles im Jahr 1985, als ABC mit Moonlighting eine Serie ins TV brachte, die anders als alles bisher Gesehene war. Die Kriminalkomödie verband Wortwitz und Charme mit Spannung und Mystery-Elementen. Bruce Willis, bis dahin noch unbekannt, übernahm die Rolle des männlichen Hauptdarstellers David Addison, der als mehr oder weniger erfolgreicher Privatdetektiv seine Brötchen verdiente. Schon vor 33 Jahren ließ sich erkennen, wo das Talent des bulligen Schauspielers lag: im Austeilen, Einstecken und Sprücheklopfen. Dies änderte sich auch in den folgenden Jahren nicht. Ob als entnervter Workaholic neben Kim Basinger in Blind Date, als Westernstar Tom Mix in Sunset oder eben als John McClane im Actionfilm Die Hard – einen schmucken Spruch hatte Bruce Willis stets auf den Lippen.
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So hat alles angefangen: Bruce Willis als Detekiv David Addison in Moonlightning (In Deutschland “Das Model und der Schnüffler”) © ABC
Was macht eigentlich einen guten Schauspieler aus? Das Wort „Facettenreichtum“ taucht im Zusammenhang mit dieser Frage immer wieder auf. Bei Bruce Willis ist es jedoch nicht allzu einfach viele unterschiedliche Facetten zu erkennen. Anders als ein Tom Hanks oder ein Daniel Day-Lewis, etwa gleiche Jahrgangsgeneration wie Bruce Willis, fehlt dem Schauspieler das gewisse Etwas. Das liegt auch daran, dass sich Willis früh selbst in der Rolle des knallharten Actionheldes brachte und fast nur solche Angebote annahm. „Im Grunde meines Herzens bin ich ein sehr mitfühlender, ja zärtlicher Mensch. Und ich bin nahe am Wasser gebaut“, sagte Willis mal in einem Interview. Aber bis auf seltene Ausnahmen, wie in The Story Of Us neben Michelle Pfeiffer, wo Willis einen liebevollen, empathischen, ja fast melancholischen Familienvater spielt, sieht man eher wenig Gefühl und Emotion.
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Immer noch der Alte: Bruce Willis geht in Death Wish auf seinen ganz persönlichen Rachefeldzug © MGM Studios
Willis ist in seit Eh und Je eher so der Typ Bedrohlicher Schwiegervater, vor dem man als Kerl in den ersten Wochen Angst hat – getreu dem Motto: Brichst du das Herz meiner Tochter, breche ich dir beide Beine! Doch in seinen neuesten Werken nimmt man Willis diese Rolle immer weniger ab, viel mehr wirkt der 63-Jährige mittlerweile eher wie der gebrechliche Opi, der regelmäßig Hexenschüsse hat. Auch in seinem aktuellen Film Death Wish bleibt dem Zuschauer nicht verborgen, dass Willis nicht mehr ganz so ausgelassen durch die Menge tanzt und man ihm sein Alter langsam aber deutlich ansieht. Dass der Rachefeldzug am Ende natürlich glückt wirkt daher auch nicht gerade glaubwürdig. In der Originalvorlage Ein Mann sieht rot von 1974 schafft es Charles Bronson deutlich besser, die Rolle des wütenden, leicht alternden, aber dennoch fitten und knallharten Rächers zu verkörpern. Regisseur Eli Roth schafft es mit Death Wish zumindest eine kontroverse Diskussion um das leidige Thema „Waffengewalt in den USA“ anzustoßen. Mit den überspitzten Darstellungen bleiben somit viele Szenen im Kopf und sorgten beim Publikum für Kopfschütteln. Die Leistung von Bruce Willis dagegen bleibt wohl eher nicht hängen – zu platt und formlos bleibt seine Darstellung. Und so stellt sich die Frage, was die Willische Zukunft bringen mag – diese lässt allerdings nicht wirklich Gutes erahnen. In Die Hard: Year One werden wir Bruce Willis wieder als John McLane über die Leinwand flimmern sehen. In Glass, der Zusammenkunft der beiden Streifen Unbreakable und Split, spielt Willis wieder die Rolle von David Dunn, und in Reprisal wird er ein Kriegsveteran, der für die Gesundheit seines Sohnes auf Verbrecherjagd geht. Einheitsbrei ist also vorprogrammiert! Von Florian Teichert

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