Tatü-Tata, die Feuerwehr ist da!

Die Sirene hallt ohrenbetäubend durch die großen Hallen, mit beherzten Sprüngen manövrieren sich die Feuerwehrleute in ihren Uniformen auf die großen Löschfahrzeuge, spannungsgeladene Gitarrenklänge setzen ein, mit Blaulicht ebnen sich die imposanten Vehikel den Weg zur Einsatzstelle. Zahlreiche solcher Szenen gibt es in diversen Hollywoodproduktionen. Die spektakuläre Inszenierung eines Feuerwehreinsatzes kann gut und gerne schon als eigenes Stilmittel bezeichnet werden. Dass Feuerwehrleute ein großes Publikum ins Kino ziehen, ist kein Zufall: eine Studie hat ergeben, dass die Deutschen im Feuerwehrmann den vertrauenswürdigsten Beruf sehen, Leute die bei der Feuerwehr arbeiten genießen hier ein sehr hohes Ansehen – anders als beispielsweise Polizisten. In den USA erreicht die Glorifizierung ein noch höheres Level – hier gelten Feuerwehrleute als Helden und das nicht erst seit 9/11. Der Vergleich mit der Army, bei der es auch regelmäßig Ehrungen und Feierlichkeiten gibt, ist da nicht so weit hergeholt. Ron Howards Backdraft mit Kurt Russell und William Baldwin ist bis heute vielleicht der populärste Feuerwehrfilm. Die Geschichte der McCaffrey-Brüder, die beide bei der Feuerwehr von Chicago tätig sind, ist spannend, emotional und tragisch zugleich und hat mit seinen – im wahrsten Sinne des Wortes – explosiven Bildern ein atemberaubendes Gefühl auf die Leinwand gezaubert. Im Gegensatz dazu steht Ladder 49 von 2004 mit Joaquin Phoenix und John Travolta in den Hauptrollen. Im Gegensatz zu Backdraft verzichtet der Film von Regissuer Jay Russell auf eine Kriminalgeschichte, die nebenherläuft und konzentriert sich mehr auf die persönlichen Probleme, die mit dem Beruf des Feuerwehrmanns daherkommen. Joaquin Phoenix schafft es in diesem Film hervorragend den Konflikt zwischen Familienleben und täglichem Berufsrisiko darzustellen. Beide Filme haben jedoch die typische Heroisierung gemeinsam. Mit viel Pathos und Patriotismus werden die Hauptdarsteller in den Filmen zu Ikonen gemacht. Nicht ganz so auf die Tränendrüse drückt dagegen der aktuelle Film No Way Out von Joseph Kosinski (Oblivion, Tron: Legacy). Zumindest im ersten Teil des Films wird die Geschichte ohne große Emotionalität erzählt. Die Eliteeinheit der Feuerwehr von Prescott/Arizona trainiert unter Eric Marsh (Josh Brolin, Sicario) jeden Tag für den Ernstfall. Im Juni 2013 tritt dieser ein, und sie kämpfen gemeinsam in der Wildnis von Yarnell gegen die Flammen. Anders als in den beiden vorher erwähnten Filmen, geht es hier also nicht um die klassische Stadtfeuerwehr. Dies spiegelt sich auch in der gesamten Atmosphäre des Films wieder. Statt dichter Cityatmosphäre herrscht hier eher Westernflair. Tolle Bilder von weiten Landschaften, glaubwürdige Dorfkneipen samt Schlägerei und trostlose Musik erzählen diese etwas andere Feuerwehrgeschichte. So schafft es der Film dann auch, über 130 Minuten nie langweilig zu werden. Kosinski beschäftigt sich feinfühlig mit den Charakteren, allen voran Miles Teller (Whiplash) und seine Figur Brendan McDonough durchlebt eine bemerkenswerte Entwicklung. Auch die anderen Nebencharaktere wie Eric Marshs Eherfrau Amanda (Jennifer Connelly, A Beautiful Mind) oder Duane Steinbrink, Chef der örtlichen Feuerwache (Jeff Bridges, The Big Lebowski) bekommen ihre Momente und fügen sich gut in die Geschichte ein. Von Florian Teichert

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