“Das könnte schmutzig werden”

Seit 19.07. läuft nun die Fortsetzung des Ausnahmethrillers „Sicario“ (2015) in den deutschen Kinos. Der Film spinnt die ewige Geschichte des schmutzigen Kampfes zwischen den US-amerikanischen Behörden und den mexikanischen Kartellen weiter – doch gelungen ist hier leider nur wenig. Drei arabisch anmutende Männer betreten abends einen unscheinbaren Supermarkt im Bundesstaat Kansas. Jeder von ihnen geht in einen der Warengänge und sprengt sich – umringt von Familien – in die Luft. Ein vierter Mann steht zitternd und betend am Eingang, die Hand am Auslöser seiner Sprengweste. Eine junge Mutter versucht mit ihrer Tochter an der Hand den Terroristen von der schrecklichen Tat abzubringen. „Sie müssen das nicht tun!“ schluchzt sie kurz bevor er die Bombe zündet und sie und ihr Kind in den Tod reißt. Mit dieser schockierenden Szene startet „Sicario 2: Day of the Soldado“ und serviert dem Zuschauer seine Kernaussage mit einem gigantischen Paukenschlag: Das Böse lauert überall, aber vor allem in Mexiko. Gemeint sind damit allerdings nicht die Mexikaner an sich – zumindest nicht alle – sondern die Menschen, die sie über die Grenze in die heiligen USA schicken, um es zu zerstören. Denn in der Welt von „Sicario 2“ kommen die islamistischen Terroristen nun nicht mehr mit dem Flugzeug, sondern jetzt haben sie eine Allianz mit den mexikanischen Kartellen geschlossen, die die USA neben Drogen nun auch mit Terror destabilisieren wollen. Man muss an dieser Stelle wohl nicht sagen, dass die Prämisse des Films fast genauso oberflächlich und hohl ist wie der amtierende Präsident des (leider) mächtigsten Landes der Welt. Aber wenigstens überzeugen hier die schauspielerischen Fähigkeiten der Beteiligten – im Gegensatz zu besagter Person. Doch auch wie in der Realität muss sich die USA natürlich gegen das Böse wehren. Allerdings nicht mit einer Mauer oder mit dem Wegsperren von Kindern. Nein – hier kommen wie schon im ersten Teil der skrupellose CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin) und sein Lieblingsauftragsmörder Alejandro (Benicio Del Toro) ins Spiel. Ihr Plan: Die Tochter (Isabela Moner) eines der mächtigsten Kartellbosse Mexikos entführen, den Verdacht auf dessen Konkurrenz in der Heimat lenken und zusehen, wie sich die Kartelle selbst zerfleischen. Doch dann geht alles schief und Alejandro setzt sich mit dem Mädchen in die mexikanische Wüste ab und muss sie nun vor den Kartellen und seinen ehemaligen Verbündeten beschützen. Vom Drehbuchautor Taylor Sheridan, der sich schon für den oscarnominierten Vorgänger und subtile Thriller wie „Wind River“ verantwortlich zeigt, ist man deutlich besseres gewohnt als diesen hohlen Actionstreifen, dessen Anfangssequenz aufgrund ihrer brutalen Effektivität das einzig nennenswerte ist. Der Rest von „Sicario 2“ dümpelt leider nur so vor sich hin, widerspricht sich ständig und ist an manchen Stellen so unlogisch, dass man am liebsten lachen möchte (Stichwort: Kopfschuss). Selbst die anfangs doch sehr interessante Nebenhandlung um einen jungen Nachwuchsschleuser (Elijah Rodriguez) driftet mit der Zeit in die Trivialität ab. So hofft man hier und beim Handlungsstrang um Alejandro und dem Mädchen, dass in dem Film doch noch mehr Inhalt und Tiefe steckt, als ein tumber Krawallfilm mit viel Blut und Explosionen – doch am Ende wird man leider enttäuscht. So grandios subtil und vielschichtig wie der erste Teil also war, so trivial ist dieser. Und am Ende weiß man sogar, warum. Denn an sich dient „Sicario 2: Day oft he Soldado“ lediglich als Lückenfüller für den dritten Teil, der so offensichtlich angekündigt wird, dass es schon weh tut. Als Zuschauer kommt man sich da schlichtweg verarscht vor. Aber so läuft es in der aktuell so unkreativen Welt Hollywoods zurzeit nun mal. Und so leidet die Fortsetzung eines der besten Filme des Jahres 2015 an einer Krankheit, die viele Sequels ereilt. Aber mehr Action und Blut ist eben nicht gleich besser – wie man sieht. Denn hier wird einem schlichtweg ein von widerlicher Propaganda, diskriminierenden Vereinfachungen und machohaften Gebaren durchzogener Action-Film vorgesetzt. Man hätte sich hier lieber auf die Rolle der Polizistin Kate Macer (Emily Blunt) fokussieren sollen, die im Vorgänger noch als Gewissen und moralische Instanz fungierte und mit der man sich noch identifizieren konnte und wollte, anstatt auf diese Testosteronparty. Es bleibt also nur zu hoffen, dass man sie beim dritten Teil wieder ins Boot holt und das Niveau wieder heben kann. Denn viel schlechter kann es eigentlich nicht mehr werden. Von Martin Arnold

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