Schocktober #14: Blut an den Lippen

Vampire durften wir in diesem Schocktober bei Popcorn und Nachos ja schon bestaunen, doch in Blut an den Lippen werden diese altehrwürdigen Gestalten der Nacht wieder ein wenig anders in Szene gesetzt: Weiblich und sinnlich! Das ist unsere Nummer 14 in diesem Monat…

Ein bisschen Arthouse, ein bisschen Grindhouse. So könnte man Blut an den Lippen wohl am besten zusammenfassen. Wenn man dazu noch sagt, dass der Film aus dem Jahr 1971 ist und aus Belgien kommt, sollte das Interesse aller Filmliebhaber weiter anwachsen. Heutzutage gilt Blut an den Lippen als echter europäischer Kult-Hit.

Heiße Vampir-Lesben

Regisseur Harry Kümel arbeitet in seinen Werken oft mit Motiven der Erotik, der Leidenschaft und der Sinnlichkeit. Da passte ein „weiblicher Vampirfilm“ natürlich wie die Faust aufs Auge. Und auch in Blut an den Lippen geht es wieder sehr sexuell zu, dabei werden allerdings nicht nur Zärtlichkeiten ausgetauscht, es geht auch um Machtausübung und das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Und auch 2019, fast 50 Jahre nach dem dieser Film entstanden ist, ist er an Aktualität kaum zu übertreffen. Tagtäglich werden Debatten über Gleichberechtigung und über Sexismus gehalten. Kümel stellte dieses Thema schon 1971 ins Rampenlicht.

In Blut an den Lippen geht es um das frisch verheiratete Ehepaar Valerie (Danielle Ouimet) und Stefan (John Karlen), die auf dem Weg zu ihren Flitterwochen einen ungeplanten Zwischenstopp in der belgischen Küstenstadt Ostende einlegen müssen. Dort kommen sie als einzige Gäste in einem Luxushotel unter – die Saison ist vorbei, das Hotel dementsprechend leergefegt. Doch schon bald ist Schluss mit der gemütlichen Zweisamkeit. Die geheimnisvolle Gräfin Barthory (Delphine Seyrig) checkt samt eigener Sekretärin (Andrea Rau) in dem Hotel ein. Der Portier ist jedoch verwirrt: Er meint sich erinnern zu können, dass die selbe Frau bereits 40 Jahre zuvor ebenfalls schon das Haus besuchte – und seitdem scheinbar kein Jahr mehr gealtert ist…

In Blut an den Lippen geht es heiß her © Roxy Film

Seidig schimmernd und sanft getönt fallen einem immer wieder die eingefangenen Bilder auf, die Kameramann Eduard von der Enden da so fabrizierte. Die trostlose, kalte Küstenkulisse auf der einen Seite, die Wärme der Hotellobby auf der anderen Seite. Die Settings passen sich der Geschichte perfekt an, das Paar wiegt sich im Hotel eigentlich in Sicherheit. Vermutlich haben sie Shining nie gesehen. Übrigens Kubrick: Immer wenn der Film sich dazu entscheidet, den herkömmlichen Weg zu verlassen und mit surrealen, hyperstilisierten und fast schon fiebertraumartigen Sequenzen aufzufahren, ist eine Verbindung zum großen Filmemeister Stanley Kubrick durchaus zu erkennen.

Männlich, männlicher, John Karlen

Delphine Seyrig ist natürlich ein Highlight des Films und spielt die herrische Art ihrer Figur wirklich mit den richtigen Emotionen. Wenn es darum geht, die etwas leichtgläubige Valerie auf ihre Seite zu ziehen, lässt sie keine Mittel aus. Sowohl furchterregend, als auch sexy – die Verführerin spielt sie ganz fantastisch. Doch auch die anderen Darsteller wissen zu überzeugen. John Karlen spielt den Mann mit all seinen klischeehaften Eigenarten. ER sagt seiner Ehefrau, was sie wann zu machen hat, ER geht nicht wirklich zimperlich mit ihr um und ER ist auch derjenige, der die Lust und Leidenschaft in der Beziehung steuert. Und dann ist da noch Danielle Ouimet, die durch die Gräfin lernt, dass man aus diesen Zwängen auch ausbrechen kann – doch so richtig möchte sie das eigentlich auch nicht. Genau diese Irrungen sind durchgehend erkennbar.

Tja, wie man schon aus diesem Text erahnen kann, ist das Vampir-Thema letztlich nur zweitrangig für all das, was man aus Blut an den Lippen ziehen kann. Doch auch diese Elemente passen sich hervorragend in das Gesamtbild ein. Und ja, gegen Ende wird es auch blutig. Zwar zurückhaltend, aber durchaus fies. Und genau deswegen ist dieser Platz im Schocktober absolut gerechtfertigt…


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