Schocktober #26: Das Böse – Phantasm

Nach 24 Jahren wurde 2017 die Indizierung des Films Das Böse – Phantasm (1979) endlich aufgehoben. Der Film von Don Cascarelli gilt unter Horror-Fans als echter Klassiker, bekam sonst in Deutschland allerdings nur wenig Zulauf. Und das ist schade! Wie auch heute noch Horror von vor 40 Jahren funktionieren kann, verraten wir Euch im Schocktober #26…

Nicht zu übersehene Anleihen von John Carpenter’s Halloween (ein Jahr zuvor) und ein Soundtrack, der ordentlich unter die Haut geht. Die Grundlage von Das Böse ist in jedem Fall gegeben und trotz der Versatzstücke schafft es Cascarelli seinem Film eine ganz eigene Würze mitzugeben. Da stört es auch nicht, dass die Story gegen Ende in ziemlich schiefe Bahnen gerät und sich nur schwer herauswinden kann.

Gestatten, der Tall Man

Worum geht es? Mike (Michael Baldwin) beobachtet nach der Beerdigung eines Kumpels seines Bruders Jody (Bill Thornbury), wie der Bestatter – auch Tall Man genannt – den schweren Sarg alleine in seinen Wagen hievt. Neugierig wie Mike ist, folgt er dem mysteriösen Mann und landet schließlich in einem gruseligen Mausoleum. Hier ist Nichts wie es scheint und schon bald tauchen Mike und sein Bruder in eine andere Welt ab…

Wie schon angedeutet, steht der großartige Soundtrack über allem. Synthesizer-Sounds tragen einen erheblichen Teil zur Gruselatmosphäre bei und passen sich hervorragend der Szenerie an. Die Effekte sind ebenfalls nennenswert und lassen sich auch 40 Jahre später immer noch problemlos anschauen. Auch wenn es um saftige Blut-Momente geht, hat der Film einige schöne Szenen auf Lager, die eine Indizierung durchaus rechtfertigen. Dabei werden auch gerne Mal Augen zerfetzt.

Hinein ins Auge – es geht schon ordentlich zu in Das Böse © New Breed Productions

Der größte Horroraspekt liegt aber ganz klar beim Tall Man, der im Übrigen von Angus Scrimm gespielt wird. Sein Horror wirkt vor allem dadurch so echt, dass er ein ganz normaler, etwas zu groß geratener Mann ist. Gut, er kann zwar seine Form ändern – doch er bleibt dabei immer menschlich. Und wird aufgrund seiner wirklich gruseligen Auftritt zum klaren Star des Films. Zwar kann auch Michael Baldwin mit seinem Schauspiel überzeugen, doch an Scrimm kommt er lange nicht ran.

Ungewollter Humor

Die Rahmenhandlung nimmt einige interessante Wendungen auf. Als Zuschauer will man gar nicht so recht verstehen, was da gerade passiert. Auch typische – wohl eher unfreiwillige – Humorelemente finden ihren Weg in den Film. Wenn Jody seinen kleinen Bruder zum Beispiel in seinem Zimmer einsperrt und dieser sich kurzerhand dazu entscheidet, die Tür mit einer selbstgebastelten Bombe zu sprengen, ist das schon ziemlich erheiternd.

Was sich in den ersten zwei Dritteln wie ein altbekannter 70er-Horrorfilm anfühlt, schlägt am Ende einen interessanten Bogen in Science Fiction-Sphären. Darunter leiden dann auch ein wenig die Effekte und es sieht alles nicht mehr ganz so schön aus. Aber gut, geschenkt! Letztlich das Finale und die Auflösung (oder ist es doch keine Auflösung?) lässt viele Fragen zurück und wirkt dadurch etwas unbefriedigend. Das ist aber egal – wer braucht schon Antworten, wenn man dem Tall Man bei seinem Gemetzel zuschauen kann…


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