Criterion Corner #8: Bottle Rocket

Wes Anderson, den meisten bekannt für seine symmetrischen Einstellungen, gespickt mit liebevollen Details und farbenfrohen Interieur. Dazu noch ein Cast, den man schlichtweg als Best-Of der Hollywoodriege bezeichnen kann. Doch wie fing Anderson genau an und konnte man schon damals seine Handschrift erkennen? Kommen wir zum Porträt dreier junger Außenseiter in Criterion Corner #8: Bottle Rocket!

Nachdem Anthony (Luke Wilson) aus der Nervenanstalt “ausbricht”, trifft er wieder auf Dignan (Owen Wilson), der einen wesentlich verrückteren Eindruck macht als Anthony selbst. Der Eindruck wird dadurch bestärkt, dass Dignan einen Plan ausgeklügelt hat. Einen Plan der die beiden auf einen langen Lauf von Verbrechen schicken wird. Zusammen mit Bob (Robert Musgrave) geht es auf die Jagd nach schnellem Geld wird ein Buchladen überfallen. Nach einer “gefährlichen” und überaus “dramatischen” Flucht stranden die drei in einem Motel und wo die Liebe nunmal hinfällt, verliebt sich Anthony in das hübsche Zimmermädchen Inez (Lumi Cavazos). Prompt beginnt er an seiner Verbrecherkarriere zu zweifeln, beteiligt sich aber noch einem letzten großen Coup.

Dignan (Owen Wilson) hilft beim "Ausbruch" aus der Nervenanstalt wo er nur kann © Columbia Pictures

Wes Anderson in den Kinderschuhen

Bottle Rocket – Wes Anderson erster Langfilm lässt schon einige Elemente seiner später so bekannten Art erkennen. Da wäre zu einem die Dialoge – lustig, ein bisschen schrullig und auch in höchst brisanten Situation stets formell. Persönlich sticht hier vor allem The Grand Budapest Hotel mit Ralph Fiennes als Concierge, der immer die passenden und vor allem gehobenen Worte für seinen Gegenüber findet, vollkommen egal, ob er sich mit einem Gefängnisinsassen oder einer vornehmen Dame unterhält. Erste Anzeichen für diese Anderson-typischen Dialoge finden sich auch in Bottle Rocket wieder. Kaum wird die Bücherei überfallen und heftigst nach großen Tüten für die Beute verlangt, versucht Owen Wilson es wie ein kleiner Junge, der nach einer Tüte für seinen Süßkram am Kiosk fragt. Leise und freundlich. 

Passend zu den förmlichen und überaus “freundlichen” Dialogen gesellt ich auch Gewalt in Wes Andersons Repertoire bzw. seine eigenwillige Darstellung. Anders als in Actionfilmen á la John Wick oder John Woo in denen die Action über allem steht und an Coolness kaum mehr zu übertreffen ist, nutzt Wes Anderson Gewalt um noch mehr Komik und Abstrusität in seine Welt zu bringen. Sie ist nie cool, wird oberflächlich und in diesem Sinne auch langweilig dargestellt. Handgemenge folgen aufeinander, während man als Zuschauer über dem meist peinlichen Ausbrüchen steht und das Geschehen beobachtet wie ein Vater, der seinen Kindern beim unbeholfenen Raufen zusieht.

Weiter geht es mit seiner Charakteren. Rushmore dreht sich um einen Schüler, der besseren ist von der High School. The Life Aquatic with Steve Zissou handelt nunja vom Leben unter Wasser des Steve Zissou, einer Person, die vom Tiefseeleben besessen ist. The Grand Budapest Hotel, der Titel sagt es schon, behandelt ein Hotel oder viel mehr einen Concierge und sein Leben um und mit besagtem Hotel, ebenso förmlich besessen. Man könnte weitermachen, aber man erkennt ein Schema. Wes Anderson nimmt sich Charaktere und verpasst ihnen einen kleinen Knacks, eine Besessenheit, der sie sich voll und ganz hingeben und aufopfern. Meist vollkommen unverständlich für den Zuschauer, da es sich um völlig banale oder absurde Tätigkeiten handelt. In Bottle Rocket gehen die drei Außenseiter, vornehmlich Dignan, dem Verbrechen nach. 

Wer also sehen möchte, wo Wes Anderson seinen Ursprung fand und bereits erste Züge seines heute so markanten Stils erhaschen möchte, sollte sich Bottle Rocket ansehen!

 

Die Time Bandits – und wieder einmal gehen wir auf eine Reise. Wie so oft entführt uns das Kino an fantastische Orte, diese Mal machen wir jedoch mehrere Sprünge durch die Zeit auf der Flucht vor einem übermächtigen Wesen und laufen dabei dem absolut Bösem in die Arme. Criterion Corner #7: Time Bandits


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