Alles außer gewöhnlich – Eine Lobpreisung auf die Soziale Arbeit

Ziemlich Beste Freunde ging 2011 ja ordentlich durch die Decke – der französische Film erzählte liebevoll die Freundschaft zwischen zwei Männern, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassten und ging dabei doch sehr feinfühlig mit dem Thema Behinderungen um. Ich persönlich bin nicht der allzu große Fan des Films, akzeptier aber die vielen positiven Stimmen, die ihm damals entgegengekommen sind. Nun folgt mit Alles außer gewöhnlich der neueste Streifen der Filmemacher von damals – und behandelt wieder ziemlich schwere Themen mit viel Humor…

Die beiden Regisseure Olivier Nakache und Éric Toledano widmen sich diesmal unter anderem dem Thema Autismus. Rain Man und Extrem laut und unglaublich nah haben das auf ihre Weise schon ziemlich gut gemacht – und auch Alles außer gewöhnlich weiß, mit dem komplexen Thema sensibel umzugehen, ohne dabei jedoch die Mitleidsschiene zu befahren.

Bruno (Vincent Cassell) und Malik (Reda Kateb) arbeiten beide in Einrichtungen, in denen Jugendliche mit Autismus betreut werden. Das machen die beiden Freunde mit viel Leidenschaft und Einfühlsamkeit. Dabei haben sie Unterstützung von vielen Jugendlichen, die aus sozial-schwachen Verhältnissen kommen und in der Ausbildung oftmals ihre letzte Chance eines geregelten Lebens haben. Ein Problem kommt wie so oft von der bürokratischen Seite daher und so drohen die zuständigen Ämter damit, die Einrichtungen zu schließen…

Ärger mit den Ämtern

Wer in diesem Jahr den deutschen Oscar-Kandidat Systemsprenger gesehen hat, wurde schon mit Versatzstücken des Themenkomplexes Einrichtungen für Kinder konfrontiert. In Alles außer gewöhnlich geht es jetzt eben nicht um schwer erziehbare Kinder, sondern um Kinder mit Autismus. Das Ende des Liedes ist aber meistens immer das Gleiche: Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten kommen beruflich oft an ihre Grenzen. Es gibt zu wenig Personal, das Gehalt ist schlecht, die Arbeitsbedingungen ebenfalls – und dann gibt es eben noch Ämter, die für noch mehr Ärger sorgen. Eigentlich ein Unding – welches auch in anderen Ländern wie eben Frankreich Einzug erhält…

Bruno (rechts, VIncent Cassel) ist mit voller Leidenschaft dabei. © Carole Bethuel

In Alles außer gewöhnlich werden genau diese Problematiken aufgezeigt und dargestellt. Bruno und Malik arbeiten ständig und sind in ihrer Freizeit zudem noch jederzeit abrufbar. Wahre Heldes des Alltags also. Die beiden Hauptdarsteller verkörpern ihre Rollen als leidenschaftliche Sozialarbeiter wirklich ausgezeichnet und gewinnen im Nu die Herzen der Zuschauer. Auch die Jugendlichen sind im Zusammenspiel mit den Autisten auf einmal gar nicht mehr so cool, sondern zeigen ebenfalls viel Empathie. Auch hier muss man den Darstellern ein Lob aussprechen.

Alles außer gewöhnlich: Sympathisch und ehrlich

Der Film hangelt sich an keinem wirklichen Storyfaden entlang, sondern erzählt vielmehr einzelne Sequenzen aus der Arbeit in diesem Bereich. Da wäre einmal die Geschichte um den autistischen Jungen Valentin, der nur sehr schwer zugänglich ist und ständig das Potenzial hat, sich selbst zu verletzen oder wegzulaufen. Der Jugendliche Dylan (Bryan Mialoundama) nimmt sich Valentin an. Hier kommen Erinnerungen an Ziemlich Beste Freunde hoch, auch wenn es in Alles außer gewöhnlich deutlich authentischer, unaufgeregter und ohne Sozial-Kitsch erzählt ist.

Und auch die Geschichte um den Autisten Joseph ist wirklich liebevoll erzählt, beschreibt aber genau die Schwierigkeiten, die es im Alltag gibt. Der junge Mann darf nach langer Überzeugungskunst von Bruno, endlich zum Probearbeiten in einer Firma für Waschmaschinen starten. Doch auch hier kommt es zu vielen Problemen und so steht Bruno vor einem weiteren Problem. Dennoch zeigt der Film auch viele Erfolgsmomente – und bringt das Herz zum Lachen. Gerade in den letzten Minuten wird dem Zuschauer wirklich authentisch vermittelt, was es heißt, sich aufopferungsvoll in einem sozialen Beruf tätig zu sein. Der Film verzichtet auch auf einen großen Happy End-Knall am Ende – und genau das macht ihn so sympathisch und ehrlich…

Bock auf eine richtige schmalzige Weihnachts-Liebes-Schmonzette? Dann ist Last Christmas genau das Richtige für Dich. Überall Nussknacker, Weihnachtselfen und Rentiere – und achja, der Ohrwurm von WHAM! darf natürlich auch nicht fehlen.

Die ganze Kritik zu Last Christmas findest Du hier…


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