Die glitzernden Garnelen – Die volle Klischee-Breitseite kann auch Spaß machen!

“Die glitzernden Garnelen” ist der Name einer schwulen Wasserballtruppe aus Frankreich. Klingt nach Klischee? Klingt nicht nur so – ist es auch. Und auch der gleichnamige Film, der die Geschichte dieses Teams erzählt, ist vollgepackt mit Klischees über Homosexuelle. Dass das aber nicht unbedingt schlecht sein muss, beweisen die beiden Regisseure Cédric Le Gallo und Maxime Govare mit Die glitzernden Garnelen.

Bei diesem Thema ist man ja im ersten Moment immer darauf bedacht, mit Vorsicht zu agieren. Bloß keine falschen Begrifflichkeiten nutzen und sich somit von Vornherein ins Abseits schießen, gerade 2019 geht sowas verdammt schnell und man hat das Gefühl, selbst mit einer sachlichen Analyse irgendjemandem auf den Schlips zu treten. Und dass es diese kritischen Stimmen, gerade zum Thema Diskriminierung und Sexismus gibt, ist ja auch völlig richtig. Trotzdem ist es mit der freien Wortwahl nicht mehr ganz so einfach, wie vielleicht noch vor 10 Jahren – das ist einfach Fakt.

Klischeefeuerwerk

Zum Glück macht es einem der Film Die glitzernden Garnelen aber ziemlich einfach. Denn der Film nutzt ein Klischee nach dem anderen und inszeniert seine Darsteller als – Achtung! – Vorzeigeschwule par excellence. Und das ist in diesem Kontext völlig in Ordnung. Denn Die glitzernden Garnelen macht wirklich Spaß, haut mal so ordentlich auf den Dampfkessel und lässt dabei kaum ein Stereotyp außen vor. Doch auch das ist absolut okay, denn zu keiner Sekunde gibt der Film einem die Message: “Hey, schau mal. ALLE Homosexuellen tragen bauchfrei, lieben Champagner und kreischen, wenn sie in kaltes Wasser fallen!”. Stattdessen sagt er: “UNSERE Figuren tragen eben gerne bauchfrei, lieben Champagner und so weiter….”.

Der Schwimmer Matthias Le Goff (Nicolas Gob) lässt sich vor Fernsehkameras zu einer homophoben Äußerung hinreißen. Draufhin wird er nicht nur vorübergehend von seinem Verband gesperrt, sondern soll auch noch als Trainer der Wasserballmannschaft “Die glitzernden Garnelen” aushelfen und das Team auf die Gay Games in Kroatien vorbereiten. Dabei trifft Matthias auf schräge Vögel, sture Böcke und einen Haufen Rumgequietsche und Obszönitäten.

Matthias Le Goff (Nicolas Gob) bekommt es mit einem Haufen schwuler Wasserballer zu tun. © Thibault Grabherr

Nochmal: Der Film hält sich nicht zurück. Ob das neue Tattoo am Hinterteil eines Spielers, ein Blowjob im Fahrstuhl oder obszöne Schwulen-Beleidigungen. Sensible Zeitgenossen werden einige Male mit dem Kopf schütteln. Doch wenn man weiß, dass die Story tatsächlich auf wahre Begebenheiten beruht, wird man dann schnell doch wieder interessiert zuschauen. Die Charaktere der Figuren sind natürlich ziemlich überspitzt inszeniert – dennoch wird nicht pauschalisiert, geschweige denn diskreditiert.

Roadtrip, wie man ihn kennt

Die Figuren sind toll erzählt – jeder aus der Wasserballtruppe hat sein Laster zu tragen und bekommt genau die passende Zeit dafür eingeräumt. Nicolas Gob macht zudem die typische Entwicklung während des Films durch, die man natürlich schon von Beginn an erwartet. Viel Neues wird man als gelernter Kinogänger nicht entdecken. Der Mittelteil, der von einem Roadtrip geprägt ist, arbeitet sich an den typischen Erzähl-Pfeilern ab. Der Humor, der währenddessen immer wieder aufgefahren wird, ist aber wirklich sehenswert und trotz seiner Direktheit nie wirklich unter der Gürtellinie.

In einer der letzten Szenen in dem Film, verlassen viele Menschen eine Örtlichkeit, als die Spieler eine weitere Homo-Klischee-Show abfeuern. Hier stellt sich dann auch im Film die Frage: Wer ist jetzt eigentlich genau respektlos? Ich sage nur: Lasst die Menschen doch einfach so sein, wie sie wollen. Habt Spaß damit. Und ärgert Euch nicht darüber, wenn andere so sind, wie ihr nicht seid. Den Kinosaal könnt ihr problemlos verlassen…

In Alles außer gewöhnlich geht es um zwei Sozialarbeiter, die in Frankreich mit jugendlichen Autisten zusammenarbeiten. Dabei geraden die Männer jedoch vor allem an bürokratische Problemstellen. Und die Jugendlichen machen es ihnen ebenfalls nicht immer wirklich einfach.

Die ausführliche Kritik zu dem Film der Ziemlich Beste Freunde-Macher findet ihr natürlich bei uns.


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